Lebendig, aktiv - Haiger fit für 2030


„Lebendig, aktiv - Haiger fit für 2030“ – mit diesen Worten fasste Haigers Bürgermeister Mario Schramm das ISEK-Förderprogramm zusammen, das jetzt in der Stadthalle den Mitgliedern der Haigerer Stadtentwicklungskommission vorgestellt wurde. Schon der Name des Förderprogramms („Lebendige Zentren“) macht deutlich, welches Ziel das auf zehn Jahre angelegte Projekt hat: „Unsere lebendige Stadt noch lebendiger und lebenswerter machen“, wie Bürgermeister Schramm erklärte.

 „Die Stadt ist das, was Du draus machst...“ – dieser Slogan der DSK (Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft) hätte als Überschrift über dem Treffen stehen können. Projektleiterin Stefanie Dichtl sowie Büroleiter Michael Stoll (beide Wiesbaden) erläuterten, welche Projekte angegangen werden können und vor allem, wie die Beteiligung der Haigerer Bürger, Gewerbetreibenden, Firmen oder Vereine aussehen könnte. Deren Mitarbeit, die so genannte „Lokale Partnerschaft“, ist ein wesentliches Element des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts „ (ISEK). 

Bürgermeister Mario Schramm bezeichnete das Programm als „einen Glücksfall für die Stadt“. Ausgangspunkt sei die Arbeit der Stadtentwicklungskommission gewesen. Im November des vergangenen Jahres habe die Landesregierung Haiger für zehn Jahre in das Förderprogramm aufgenommen. Ein erster Schritt sei eigentlich eine Bürgerinformationsveranstaltungen, die im Moment aufgrund der Corona-Pandemie jedoch noch nicht machbar sei. Daher starte Haiger mit der Einbindung der Stadtentwicklungskommission in die „Lokale Partnerschaft“.

„Wir haben den Antrag im Juni eingereicht. Das Ministerium bestätigte uns, dass so schnell noch keine Stadt in das Förderprogramm aufgenommen wurde“, blickte Schramm schmunzelnd zurück: „Das hatte aber natürlich auch mit dem Hessentag zu tun.“ In beiden Projekte sieht der Rathaus-Chef die Möglichkeit, „dass sich unsere lebenswerte Stadt positiv nach vorne entwickelt“. Er lobte im Namen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung die sehr gute Arbeit der Stadtentwicklungskommission in den vergangenen Jahren, die selbstverständlich in das ISEK-Programm integriert werde. „Jetzt starten wir die Zukunftsentwicklung. Jetzt stoßen wir Projekte an und setzen sie auch um.“ 

ISEK biete die Chance, von vielen Fördermitteln zu profitieren. Dabei werde die Stadt von dem Wiesbadener Büro DSK unterstützt. Die „Lokale Partnerschaft“ sei ein Meilenstein des Programms, weil Experten und Interessierte  aus den unterschiedlichsten Bereichen der Stadt (Firmen, Vereine, Bürger) dabei mitarbeiten könnten, ihre Stadt zukunftsfähig zu machen.

Die Stadtverordnetenversammlung, deren Vorsteher Bernd Seipel an der Sitzung teilnahm, habe entschieden, dass man die bewährte Stadtentwicklungskommission an den weiteren Planungen beteiligen wolle. „Warum sollten wir das Rad neu erfinden?“, sagte Schramm. Natürlich könne die „Lokale Partnerschaft“ noch durch weitere Bürger, Unternehmer oder Handeltreibende ergänzt werden.

Schramm berichtete, in den vergangenen Jahren seien bereits „einige Schritte gegangen worden“. So sei das „Haus Ehe“ gekauft worden, an einem neuen Konzept für das Heimatmuseum werde gearbeitet, zudem habe die Stadtentwicklungskommission Ideen für den Bereich Steigplatz und Karl-Löber-Platz sowie einen Zugang zum Aubach zusammengetragen. Weitere Themen seien Domizile für die Stadtjugendpflege und die Stadtbücherei sowie die Barrierefreiheit des Bahnhofes, die Zukunft der Stadthalle und das „Wohnen in der Stadt“.

„Wir wollen schnell zu Ergebnissen kommen“

„Machen Sie mit, bleiben Sie dabei“, rief Schramm der Kommission zu. Jetzt gelte es, das Angedachte zu begleiten und umzusetzen. „Wir  wollen schnell zu Ergebnissen kommen und das ein oder andere zeitnah auch umsetzen – unser Wunsch wäre es, den Karl-Löber-Platz bis zum Aubach und auch das Haus Ehe bis zum Hessentag umgestaltet zu haben“, blickte Schramm voraus: „Es liegt ein langer Weg vor uns. Wir sollten unsere Stadt mit viel Herzblut voran bringen.“


„Basis für die nächsten zehn Jahre“

DSK-Mitarbeiter stellen die ISEK-Möglichkeiten vor

„Das ISEK-Förderprogramm ist gebietsbezogen, es geht nur um das Stadtzentrum und die Innenstadt. Die Fördermittel dürfen nur hier eingesetzt werden“, erklärte Michael Stoll von der Firma DSK im Rahmen des Treffens mit der Stadtentwicklungskommission in der Stadthalle. Stoll und Projektleiterin Stefanie Dichtl stellten das ISEK-Programm und dessen Möglichkeiten vor. Im Blickpunkt stehen etwa 80 Hektar Fläche in der Innenstadt, auf denen rund 2000 Menschen leben. 

Wie Stoll erläuterte, kann „die Stadt Haiger froh sein, eine Sstadtentwicklungskommission  zu haben, die die Grundlagen bereits mitbringt“. Die „Lokale Partnerschaft“ sei ein zentrales Element der „Aktiven Innenstadt“ und solle den gesamten Verlauf des Verfahrens begleiten. „Nur gemeinsam mit den betroffenen Interessengruppen kann die Abstimmung der unterschiedlichen Belange und Anforderungen sowie die Bündelung der lokalen Aktivitäten gelingen und ein nachhaltiger Erfolg erzielt werden“, erklärte Stoll. Die „Lokale Partnerschaft“ arbeite beratend und initiierend und fördere die Kommunikation. An einem runden Tisch gehe es um den Informationsaustausch, die Ideenentwicklung und das Einbringen von Maßnahmenvorschlägen.  Hinzu kämen Diskussion, Teilhabe am Prozess und die Erzielung von Kompromissen.  

Der runde Tisch habe 20 bis 30 Teilnehmer – meist „relevante Akteure und Interessenvertreter, Vertreter aus politischen Gremien und interessierte Bürger der Stadt“.  An dieser Form der Städtebauförderung seien Bund, Länder und Kommunen beteiligt. In den vergangenen drei Jahren seien hohe Beträge an Kommunen ausgeschüttet worden. Allein 790 Millionen Euro im Jahr 2019. Hinzu kämen Landes- und kommunale Mittel.

Ziele des Programmes seien unter anderem die Erhaltung und Modernisierung von Gebäuden, die Revitalisierung von Zentren, Barrierefreiheit, Verbesserung bedeutender Gebäude, Wohnen im Innenbereich, Sicherung der Daseinsvorsorge, Behebung von Leerständen sowie Klimaanpassung und Klimaschutz. Grob zusammengefasst lasse sich das Ziel wie folgt zusammenfassen: „Schaffung vielfältiger, nachhaltiger und zukunftsfähiger Zentren durch die Erhaltung, Erneuerung und Belebung von Stadtkernen.“  

Stefanie Dichtl berichtete, dass besonders die Aufwertung des öffentlichen Raums, die Neugestaltung von Plätze, Straßen und Grünflächen gefördert werde. Aber auch die Sanierung öffentlicher sowie privater Gebäude, Bau- und Ordnungsmaßnahmen (Freilegung von Flächen), Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum und das City-Management werde unterstützt.  

Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept suche lokal angepasste Lösungsansätze, setze diese um und sei eine Basis für die nächsten zehn bis 15 Jahre. „Unser Ziel ist es, das Programm unter weitreichender Beteiligung der Bürger festzulegen und umsetzen.“ 

Zunächst gehe es darum, das Fördergebiet, also die Stadt Haiger, zu analysieren, Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu ermitteln. Danach müssten ein Leitbild entwickelt und  Entwicklungsziele bestimmt werden. Auch hier werde die Öffentlichkeit einbezogen. Ein erarbeiteter Projektkatalog mit Handlungsvorschlägen sei dann die Grundlage für konkrete Einzelmaßnahmen.

Bereits jetzt stehen folgende Ideen auf der Agenda der Agentur

- Erweiterung und Stärkung des Wohnungsangebotes (große Nachfrage) 

- Verbesserung der Mobilität, verträgliche Gestaltung des Verkehrs (Verringerung der Barrierewirkung, zum Beispiel auf der ehemaligen Bundesstraße und am Obertor)

- Aufwertung und Gestaltung öffentlicher Straßen und Platzräume (Karl-Löber-Platz und Aubach, Paradeplatz) 

- Klimaschutz und Klimaanpassung (Aubach zugänglich machen)

- Sicherung und Entwicklung des Einzelhandels (angesichts von etwa 30 Prozent Leerstand besteht Handlungsbedarf)

- Zukunft der Stadthalle (beschäftigt zahlreiche Bürger) 

Wie Stefanie Dichtl mitteilte, sollen in der „Lokalen Partnerschaft“ vier Arbeitsgruppen gebildet werden. Eine befasst sich mit dem Karl-Löber-Platz, eine mit dem Thema Mobilität/Verkehr, eine weitere mit der Stadtbildgestaltung und der Durchgrünung der Innenstadt. Eine vierte Gruppe kümmert sich um „Handel, Kultur und Leben“. Die Besucher des Treffens hatten bereits die Möglichkeit, sich für eine oder mehrere dieser Gruppen zu entscheiden. Nach den Sommerferien soll eine Stadtbegehung stattfinden, im August eine offizielle Bürgerinformation, die eventuell im Stadion „Haarwasen“ stattfinden wird. Für Oktober ist eine Projektwerkstatt vorgesehen.

Weitere Informationen für alle Interessierten bietet die Homepage www.haiger2030.de, die in Kürze online geschaltet werden soll. ISEK-Ansprechpartner im Rathaus sind Bauamtsleiter André Münker und Timo Dyroff aus dem Fachdienst Bauleitplanung/Bauordnung.

 

ZENTRALE THEMEN des ISEK-Programms
Wohnen
Kultur
Soziales
Freizeit
Verkehr
Gewerbe
Stadtgestaltung 

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Ähnlich wie hier in Bad Herrenalb könnten sich die Planer die Gestaltung des Aubachs zwichen Hauptstraßen-Brücke und der ehemaligen Bundesstraße 277 vorstellen. Foto: André Münker/Stadt Haiger

 

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