„Sie haben alle toll gepunktet”


„Sie haben alle toll durchgehalten und gepunktet – wir sind mächtig stolz auf Sie“, sagte Haigers Bürgermeister Mario Schramm vor wenigen Tagen, als er sechs frischgebackenen Verwaltungsfachwirtinnen und Fachwirten in der Haigerer Stadtverwaltung gratulierte.

Cindy Hilgenberg, Nadja Jost, Magdalena Schmidt, Tobias Günther, Sebastian Kroth und Robin Simig hatten die über dreijährige Fortbildung am Hessischen Verwaltungs-Schulverband in Gießen erfolgreich absolviert und stellten damit die mit Abstand größte Gruppe ihrer Fortbildungsklasse. Magdalena Schmidt erreichte sogar das beste Abschlussergebnis aller 20 Absolventen des Lehrgangs.

„Wir freuen uns sehr über dieses Resultat unserer Truppe. Es ist beruhigend, dass sich so viele junge Menschen für eine Fortbildung entscheiden“, sagte Bürgermeister Schramm und erwähnte besonders, dass es sich um vier Verwaltungsfachangestellte und zwei Quereinsteiger gehandelt habe. Tobias Günther (Bankfachwirt) und die Industrie-Kauffrau Nadja Jost hätten ebenfalls hervorragende Ergebnisse erzielt. „Das zeigt, dass man sich auch als Quereinsteiger ohne Verwaltungshintergrund sehr gut weiterqualifizieren kann“, sagte Büroleiter Jörg Ernst.

Im Frühsommer 2022 hatte die über dreijährige Fortbildung begonnen, für die die sechs „Haigerer“ einmal wöchentlich nach Gießen reisen mussten. Nach 800 Unterrichtsstunden standen fünf anspruchsvolle Prüfungen von jeweils 240 Minuten auf dem Programm. Außerdem musste eine Projektarbeit mit dienstlichem Bezug (zum Beispiel Hallenbad oder Sicherheit bei städtischen Veranstaltungen) geschrieben und vorgetragen werden. Der Abschluss der Veraltungsfachwirts ist in etwa einem Bachelor-Abschluss gleichzusetzen.

Viel hervorragend geschultes Fachpersonal

„Es ist beachtlich, dass Sie das alles quasi nebenbei geleistet haben. Das war eine Super-Leistung, aber natürlich hört das Lernen damit nicht auf“, gab Bürgermeister Schramm den sechs Absolventen mit auf den Weg. Im Rathaus gebe es sehr viel hervorragend geschultes Fachpersonal, das eine Stadtverwaltung als Dienstleister für den Bürger auch vorhalten müsse. Schramm: „Unser Ziel ist es, möglichst viele junge Leute auszubilden und diese auch in der Verwaltung zu halten.“

Kurzurlaub zur Feier des Abschlusses

Die Absolventinnen und Absolventen berichteten, dass die Fortbildung das Team regelrecht zusammengeschweißt habe. Man sei zwar froh, die Prüfung geschafft zu haben, es gebe aber auch Wehmut, weil die gemeinsame Zeit in der Schule nun vorbei sei. Ein gemeinsamer Kurzurlaub bildete den gelungenen Abschluss der Fortbildungszeit.

(lesen Sie auch die Kurzinterviews mit einigen Fachwirten - siehe unten).

Auszüge aus Interviews.

 

1. Was war der interessanteste Aspekt der Weiterbildung?

2. Wo musstet Ihr Euch besonders ins Zeug legen, was war das schwierigste Fach?

3. Wie (und evtl. wo) seht Ihr Eure Zukunft in der Stadtverwaltung?

4. Wie würdet Ihr einem jungen Menschen (Teenager) eine Ausbildung im Haigerer Rathaus schmackhaft machen? Oder anders: Was macht eine Ausbildung im Haigerer Rathaus so interessant?


Tobias Günther, Fachdienst Finanzen.

1. Der interessanteste Aspekt der Fortbildung war sicher die Behandlung der unterschiedlichen Themen mit einer weit über die Grundausbildung hinausgehenden Tiefe. Man lernt praktisch den Umgang mit komplexeren Sachverhalten. Ebenso lernt man Möglichkeiten der Organisation und Mitarbeiterführung kennen, die für eine berufliche Weiterentwicklung benötigt werden. Der in meinen Augen interessanteste Teil war die mündliche Abschlussprüfung, die aus einer Hausarbeit und einer Präsentation bestand. Unter Anwendung des Erlernten musste ein Themenkomplex selbstständig erarbeitet werden. Dies gefiel mir persönlich besonders gut. Darüber hinaus hat man mit dieser Fortbildung viele neue Wege geöffnet, die vielleicht irgendwann genutzt werden können.

2. Ein einzelnes Fach, das am schwierigsten war, kann ich gar nicht klar definieren. Ich benötigte in jedem Fall Disziplin und ein gutes Organisations- und Zeitmanagement, um den Unterrichtsstoff im Anschluss an einen Schultag nachzuarbeiten und zu verinnerlichen. Dabei geht es weniger um Auswendiglernen, sondern vielmehr um die Aneignung des Verständnisses für die Anwendung von Rechtsgrundlagen.

3. Das vermag ich gar nicht konkret beantworten. In jedem Fall fühle ich mich mit meinen derzeitigen Aufgaben auf der Stadtkasse wohl und blicke offen nach vorne. Was jedoch irgendwann einmal sein wird oder wo ich mich sehe, kann ich nicht konkret sagen. Wichtig ist mir, dass die Freude an der Arbeit nicht verschwinden darf. Mit dem Verwaltungsfachwirt hat man sich nun entsprechend gut qualifiziert und kann offen in die Zukunft blicken.

4. Das Faszinierendste an der Arbeit in der Haigerer Stadtverwaltung ist die Vielseitigkeit. Von der Ordnungspolizei über die klassischen Angestellten im Rathaus selbst bis hin zum Bauhof und der Feuerwehr ist ein breites und vielseitiges Spektrum vorhanden. Das konstruktive kollegiale Miteinander, geregelte Arbeitszeiten und eine insgesamt moderne Ausstattung machen die Stadtverwaltung besonders attraktiv für alle diejenigen, die Spaß am Mitwirken haben.

 

Sebastian Kroth, Fachdienst Finanzen.

1. Der interessanteste Aspekt war die Verbindung von Theorie und Praxis. Besonders spannend war es, wie rechtliche Grundlagen, wie z. B. das Verwaltungsrecht, direkt auf echte Sachverhalte und Situationen aus dem Verwaltungsalltag angewendet werden konnten. Das erwies sich insbesondere in Widerspruchs- oder Klageverfahren als hilfreich.

2. Keines der Themengebiete ist pauschal schwieriger als andere – jedes bringt aufgrund seiner individuellen Komplexität eigene Schwierigkeiten mit sich. Dabei waren es eher die fachfremden Themengebiete, die nicht meinem eigentlichen Tätigkeitsbereich im Fachdienst Finanzen entsprachen, wie beispielsweise das Personal- und Beamtenrecht.

3. Ich sehe meine Zukunft in der Stadtverwaltung – insbesondere im Fachdienst Finanzen – als eine kontinuierliche fachliche und persönliche Weiterentwicklung. Durch die abgeschlossene Fortbildung kann ich mein aktuelles Fachwissen bestens mit der praktischen Arbeit verbinden, wovon nicht nur ich, sondern auch die Stadt Haiger und deren Bürger profitieren. Langfristig könnte ich mir auch vorstellen, mehr Verantwortung zu übernehmen.

4. Diese Fortbildung zeigt, dass die Stadt Haiger jungen Menschen gezielt Möglichkeiten bietet, sich auch nach der Ausbildung weiterzuentwickeln. Besonders hervorzuheben ist, dass in diesem Jahr gleich sechs Beschäftigte aus verschiedenen Fachdiensten diese Fortbildung erfolgreich absolviert haben. Sowohl in der Fortbildung als auch in der Ausbildung werden zahlreiche vielseitige Themen behandelt, die die Tätigkeiten abwechslungsreich und interessant gestalten.


Magdalena Schmidt, Fachdienst Finanzen.

1. Ich fand es am interessantesten, dass man neben dem normalen Praxisalltag, den man ja mittlerweile hat auch, nochmal neuen Input – auch für seine bisherige Tätigkeit im Rathaus erhalten konnte. Man bekommt so nochmal Neues mit und hat nicht nur „Scheuklappen“ auf, die ja jeder so mit der Zeit entwickelt. Auch die Abwechslung, mal aus dem eigentlichen Berufsalltag rauszukommen, fand ich sehr gut.

2. Haushaltsrecht war für mich das schwierigste Fach, bei dem ich mich auch am meisten ins Zeug legen musste.

3. Ich sehe mich zukünftig weiter im Bereich der Personalabteilung und kann mir derzeit keinen anderen Fachdienst vorstellen. Wo genau meine Reise dort hingehen wird, wird die Zeit zeigen.

4. Ich finde einfach insgesamt, dass nicht jeder Mensch nach dem Abitur studieren muss. Eine Ausbildung bei der Stadt Haiger ist abwechslungsreich und bietet zugleich eine gute Perspektive. Man kann zunächst Berufserfahrung sammeln und dann gezielt eine Weiterbildung bzw. den Fachwirt machen. Man hat hier auf jeden Fall die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, wenn man dies auch möchte.

 

Robin Simig, Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit.

1. Interessant war zu lernen, wie tief die Themen beim Verwaltungsfachwirt im Vergleich zu den Ausbildungsinhalten behandelt werden. Aber auch die unterschiedlichen Herangehensweisen an einzelne Fächer und Lerninhalte. Positiv war auch, dass wir Haigerer als größere Gruppe teilgenommen haben, uns unterstützen konnten und der Zusammenhalt gestärkt wurde.)

2. Das für mich unnahbarste und undurchsichtigste Fach war Sozialrecht. Aber auch Privatrecht empfand ich als schwierig. Besonders spannend waren Politik und Wirtschaft sowie Kommunalrecht.

3. Der Fachwirt erweitert die Möglichkeiten und bietet noch bessere Chancen, andere Stellen bekleiden zu können. Wohin der Weg führt, bleibt abzuwarten.

4. Abwechslungsreich sind die vielfältigen Einblicke in die unterschiedlichen Abteilungen. Erkennen und Erleben zu können, was in der Kommunalverwaltung alles passiert, hilft bei der Einschätzung, mit welchen Themen man sich gerne beschäftigt. Von Festen und Events zum Personalausweis-Antrag, von Bauplan bis zur Sitzungsvorbereitung – langweilig ist die Ausbildung nicht.

 

Nadja Jost, Fachdienst Allgemeine Ordnungsangelegenheiten.

1. Besonders spannend fand ich den Bereich Ordnungs- und Verwaltungsrecht, weil er sehr praxisnah und relevant für meinen Berufsalltag ist.

2. Die Finanzfächer, insbesondere Haushaltsrecht, fielen mir am schwersten.

3. Konkrete Perspektiven gibt es aktuell nicht, aber ich bin offen für verschiedene Wege und freue mich auf Möglichkeiten, mich fachlich und persönlich in der Verwaltung weiterzuentwickeln.

4. Über die standardisierte Ausbildung direkt kann ich nicht viel berichten, da ich als Quereinsteigerin zur Stadt Haiger kam und die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellen in verkürzter Form nachgeholt habe. Nichtsdestotrotz gibt es viele spannende Bereiche, mit vielen netten Kollegen.