Erster Spatenstich noch im Jahr 2026


Wenn alle Vorbereitungen gut laufen, dann kann im Herbst dieses Jahres der erste Spatenstich für das neue Haigerer Feuerwehrhaus in der „Flur 1“ – zwischen Haiger und Allendorf – erfolgen. Diese positive Nachricht überbrachte Bürgermeister Mario Schramm den Haigerer Feuerwehrleuten bei der Jahreshauptversammlung am Samstagabend. Der Magistrat habe die Planungen für das 26-Millionen-Projekt frei gegeben, sodass der Bauantrag könne in Kürze eingereicht werden könne, erklärte der Rathaus-Chef. Die Bauaufsicht habe eine schnelle Prüfung zugesagt,  auch zum Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck (CDU), der kürzlich in Haiger zu Gast war, habe man ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut, was von Vorteil sei.

Allerdings sind bis zum Spatenstich noch einige Hürden zu nehmen.  So ist eine Firma damit beauftragt, im Frühjahr Bäume und Büsche auf der Fläche zu beseitigen. Dies geschieht, um die Haselmaus zu „vergrämen“. „Sie darf dort nach dem Winter nicht wieder einziehen“, erläuterte Schramm. Ansonsten seien erneute Verzögerungen zu befürchten. Der Aushub in der „Flur 1“ soll für den Bau des grünen Beckens in Sechshelden verwendet werden.

Nicht ganz einfach ist die europaweite Ausschreibung, die für ein Projekt dieser Größenordnung erforderlich ist. „Ausschreibung und Vergabe dauern unter diesen Umständen etwa acht Monate“, rechnete der Bürgermeister vor. Dennoch sei er guter Dinge, dass bei gutem Verlauf noch in diesem Jahr der Startschuss erfolgen könne. In diesem Zusammenhang setzt die Stadt auf die guten Kontakte zum Innenministerium in Wiesbaden – die Bauprojekte in Haiger, Weidelbach und Rodenbach werden vom Land Hessen unterstützt. „Jetzt fehlt nur noch Sechshelden“, sagte Bürgermeister Schramm.

„Sie waren an jedem zweiten Tag im Einsatz“

Er dankte im Namen des Magistrats für die geleistete ehrenamtliche Arbeit der Kameradinnen und Kameraden. „Sie waren an jedem zweiten Tag im Einsatz. Das sind enorme Anforderungen. Mit der geplanten neuen Atemschutzstrecke tragen wir dazu bei, dass sie gut auf die Einsätze vorbereitet sind“, sagte Schramm. Die gestiegene Übungsbeteiligung sei sehr erfreulich. „Machen Sie so weiter, wie wir es gewohnt sind – ohne Sie wäre die Gesellschaft in Haiger um Vieles ärmer“, rief der im Sommer scheidende Rathaus-Chef den Florianern zu.

Die Einsatzabteilung der Feuerwehr Haiger-Mitte besteht aus 52 Personen (48 männlich, vier weiblich), zur Alters- und Ehrenabteilung gehören elf Personen. In der Jugendfeuerwehr werden acht Nachwuchskräfte (sechs männlich, zwei weiblich) ausgebildet. „Im vergangenen Jahr gab es 164 Einsätze, die insgesamt 193,32 Stunden dauerten“, das ergibt 1937,25 Personalstunden berichtete Wehrführer Sven Alber. 2024 waren es noch 175 Einsätze gewesen. Alarmiert wurden die Retter in 2025 zu 34 Bränden (sechs Großbrände), 54 Hilfeleistungen, sechs Brandsicherheitsdiensten und 16 sonstigen Einsätzen. „Dabei wurden 17 verunglückte Personen gerettet“, sagte der Wehrführer. 

An Übungsstunden wurden 2177,50 Stunden geleistet. Der Wehrführer dankte vor allem den Kollegen, die die Ausbildungsaktionen organisiert hatten. Es sei erfreulich, dass der Generationswechsel voranschreite und einige jüngere Kollegen den Gruppenführerlehrgang anstreben. „Ich hoffe, dass die jungen Leute mit den „alten Hasen“ gemeinsam Übungen ausarbeiten werden“, sagte Alber. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit der städtischen Stabsstelle Brand-/Zivilschutz – vor allem nach Einsätzen für die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge und feuerwehrtechnischen Ausrüstung. Der Wehrführer dankte Bürgermeister Mario Schramm, dem Magistrat und allen politischen Gremien, besonders aber auch den Kameraden und deren Familien, ohne die ein so aufwendiges Engagement nicht möglich sei. 

Da die meisten Einsätze an Wochentagen und während der Arbeitszeit verzeichnet werden, dankte der Wehrführer auch allen Arbeitgebern, die die Einsatzkräfte freistellen. „Die Tagesalarmsicherung ist sehr wichtig.“ Analog der Stadt Herborn wurde eine Entschädigungssatzung für ehrenamtlich tätige Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr durch die Stabsstelle Brand-/Zivilschutz entworfen und erarbeitet. Als Vorlage diente die Satzung der Stadt Herborn insbesondere der Einheitlichkeit innerhalb des Landkreises.  „Wir wünschen uns, dass diese in den politischen Gremien angenommen und umgesetzt wird“, sagte Alber.

Die Übungsbeteiligung sei gut gewesen. Der Prozentsatz der Kameraden, die die geforderten 40 Stunden absolviert hätten, sei auf 84 Prozent gestiegen. Leider gebe es zu wenig Lehrgangs-Angebote vom Lahn-Dill-Kreis oder der Landesfeuerwehrschule. Die Zuteilung sei erneut bescheiden ausgefallen. Die Wehr habe neun Plätze für Gruppenführer beantragt, aber nur zwei zugeteilt bekommen. Das sei sehr frustrierend, aber man lasse sich nicht entmutigen.

Auch beim Atemschutz seien von 16 Anträgen nur acht angenommen worden. In diesem Zusammenhang setze die Wehr auf die eigene Atemschutzübungsstrecke im neuen Haigerer Feuerwehrhaus. Dadurch könne der aufgelaufene Stau abgearbeitet werden. Der Förderverein wolle die technische Ausstattung der Atemschutzstrecke finanzieren und schnellstmöglich Spenden generieren – vermutlich würden für die Strecke 250.000 Euro benötigt. „Unser Feuerwehrhaus wird kein Wunschgebäude, sondern ein zweckmäßiges Haus, das uns für die nächsten 50 Jahre Sicherheit gibt“, fasste Alber zusammen.

Viele Übungsinhalte sind in Haiger möglich

Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro ging ebenfalls auf die Atemschutzstrecke ein. Er sei davon überzeugt, dass eine Atemschutzstrecke in Haiger im Nordkreis sehr guten Zuspruch finden werde. In einer kleinen Visualisierung stellte er das Neubauprojekt vor, das aus zwei Gebäudekomplexen besteht. „Wir bauen eine zukunftsorientierte Feuerwehr“, sagte Dilauro. Die gemeinsame Übung 2025 in Frohnhausen sei ein großer Erfolg gewesen. „All das, was dort gemacht wurde, ist künftig dann in Haiger auch möglich.“ Da die Termingestaltung insbesondere für ein Wochenende auf dem Übungsgelände in Frohnhausen sich nicht einfach gestalten lasse, weil die Lehrgänge auf Kreisebene vorrangig behandelt werden müssten, sei der Neubau von elementarer Notwendigkeit für eine qualifizierte Ausbildung. 

Im Zusammenhang mit den Lehrgängen appellierte er an die Teilnehmer, sich gut auf die Kurse vorzubereiten. Es habe im Vorjahr eine hohe Quote an „Durchfallern“ gegeben. Besonders anspruchsvoll sei der Gruppenführer – Lehrgang. Der schriftliche Prüfungsteil besteht zukünftig aus zwei Fragearbeiten. Die erste Arbeit ist zu Beginn des Lehrgangs zu fertigen und besteht aus Fragen zu allen Themengebieten der Truppausbildung. Sie fließt mit 40 Prozent in den schriftlichen Prüfungsteil ein. Für die Beantwortung der Fragen stehen 45 Minuten zur Verfügung. Die Abschlussarbeit besteht aus Fragen zu allen Themen und fließt mit 60 % in den schriftlichen Prüfungsteil ein.

Vor der praktischen Ausbildung findet ein IT-basiertes Training statt. Ziel des Trainings ist das Erlernen und das Trainieren des Führungsvorgangs anhand von verschiedenen Einsatzlagen am PC. Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie die Steckleiter und die dreiteilige Schiebleiter fachlich richtig und selbstständig besteigen können. Sollte sich im Verlauf des Lehrgangs herausstellen, dass diese Fähigkeiten nicht vorhanden sind, wird die Ausbildung beendet und der Lehrgang als nicht bestanden gewertet.

Das neue HLF 20/16-Feuerwehrfahrzeug sei noch immer nicht für den Einsatzdienst freigegeben, weil der Aufbauhersteller noch diverse technische Probleme zu lösen habe. „Haiger ist geduldig, unsere Verbesserungsvorschläge werden jetzt umgesetzt“, meinte der Stadtbrandinspektor. Er dankte allen Kameraden für ihren Einsatz und wünschte ein gutes und gesundes Jahr 2026. 

EHRUNGEN – BEFÖRDERUNGEN – WAHLEN

Auch Beförderungen durften Bürgermeister Mario Schramm, Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro und die Wehrführung aussprechen. Feuerwehrmann-Anwärter sind jetzt Silas Tenne, Benjamin Scholl und Mark Schneider, zu Feuerwehrmännern wurden Robin Klossok und Max Hermann Haas ernannt. Moritz Schneider darf sich jetzt Oberfeuerwehrmann und Matthias Freischlad Hauptfeuerwehrmann nennen. Franziska Orth ist jetzt Oberlöschmeisterin, Matthias Scholl, Jens Ess und Gainluca Dilauro dürfen sich Oberlöschmeister nennen. Nicht alle Kameraden waren anwesend – die Urkunden werden nachgereicht.

Bürgermeister Mario Schramm ernannte nachträglich Maximilien Michels zum stellvertretenden Stadtbrandinspektor. Er war bereits 2024 gewählt worden, da jetzt alle noch fehlenden Unterlagen vorgelegt werden konnten, wurde der städtische Beamte Michels zum stellvertretenden „SBI“ bis 2029 ernannt.

Ehrungen standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Seit zehn Jahren dabei sind Philipp Kasteleiner und Moritz Schneider. Tom Marcel Schäfer und Maximilian Scholl haben 15 Jahre „auf dem Buckel“, während es Franziska Orth auf 20 und Michael Weller auf 40 Jahre bringen. 45-jähriges Jubiläum feiern Steffen Röder, Leo Dilauro und Ulrich Kasteleiner. Ein halbes Jahrhundert bei der Feuerwehr sind Ralf Wagner und Hartmut Sieber. Die treuesten Kameraden sind Joachim Littschwager mit 55 Jahren, der an der Sitzung auch teilnahm, und Josef Schneider mit stolzen 70 Jahren. Schneider und alle anderen Kameraden, die nicht an der Sitzung teilnehmen konnten, werden nachträglich geehrt.

Die Neuwahlen gingen unter der Leitung von Andreas Dilauro schnell über die Bühne. Im Feuerwehrausschuss wurden Moritz Schneider (stv. Vorsitzender) und Maximilian Fischbach (Beisitzer) gewählt. Sie lösen Lukas Kasteleiner und Dieter Enseroth ab, die ihre Ämter zur Verfügung gestellt hatten. Auch im Förderverein übernehmen Moritz Schneider und Maximilian Fischbach die Posten als stv. Vorsitzender und Beisitzer. (öah/rst)

Förderverein kommt für die Atemschutzstrecke auf

„Unser Ziel ist es, den Brandschutz in Haiger zu unterstützen“, sagte der Vorsitzende des Feuerwehr-Fördervereins Daniel Schwedes in seinem Jahresbericht. Im vergangenen Jahr habe der Verein zum Beispiel die Jugendfeuerwehr unterstützt, Poloshirts angeschafft und die Werbung für das 150-jährige Bestehen mitfinanziert.

Wichtig im Zusammenhang mit dem Neubau des Feuerwehrhauses sei die Atemschutzübungsstrecke, die durch den Förderverein finanziert werden solle. Das sei eine „enorme Herausforderung“ für die Förderer. Der Verein wolle bei der heimischen Industrie und dem Gewerbe um Spenden bitten. Schwedes dankte allen bisherigen Spendern – ob Gewerbe, Industrie oder Privatpersonen – für ihre Großzügigkeit im vergangenen Jahr.

Dank an alle Unterstützer aus Industrie und Gewerbe

Im Namen des Feuerwehrvereins dankte Daniel Schwedes allen, die bei den Lehrgängen im Feuerwehrhaus mitgeholfen hatten. In Kürze starte wieder ein Funklehrgang in Haiger.  Höhepunkt 2025 sei eindeutig das Jubiläum „150 Jahre Feuerwehr“ gewesen. „Wir hatten zwei sehr gelungene Veranstaltungen, hätten uns aber mehr Besucher gewünscht.“ Beim Ortspokalschießen der Schützengesellschaft habe man nach Jahren der Dominanz den Titel nicht verteidigt und sich dem Schalmeien-Orchester geschlagen geben müssen. Das solle 2026 wieder geradegerückt werden. Wie Schwedes betonte, ist die Werbung von aktiven und passiven Mitgliedern weiter wichtig.

Acht Mitglieder hatten viel Spaß in der Jugendfeuerwehr

Jugendwartin Franziska Orth berichtete von einem abwechslungsreichen und ereignisreichen Angebot mit vielen Aktivitäten und Ausflügen, aber auch guten Ausbildungseinheiten. 34 Übungsdienste standen auf dem Programm. Die jungen Leute durften bei einer Übung der Einsatzabteilung mit dem „Abrollbehälter Gefahrgut“ dabei sein – „ein spannender Ausflug in einen interessanten Arbeitsbereich“ (Orth). Viel Spaß hatte der Nachwuchs beim dritten „Spiel ohne Grenzen“ und einem Wochenende im Feuerwehrhaus, bei dem auch die Jugendfeuerwehr Roßbachtal dabei war. Hier ging es unter anderem um Gerätekunde und Theorie, außerdem gab es fünf unterschiedliche Einsätze und eine Übung bei einer heimischen Firma.

„Feuerfunken“ gegründet

Neben der Ausbildung standen auch Spieleabende, Minigolf, ein Besuch auf der Haigerer Eislaufbahn und eine sehr gelungene Fahrt in den Movie-Park auf dem Programm. Die Mitgliedergewinnung habe eine große Bedeutung, sagte „Franzi“ Ort und berichtete, dass derzeit sechs Jungen und zwei Mädchen zur Jugendfeuerwehr gehören. Drei junge Leute seien in die Einsatzabteilung übergewechselt. Sehr erfreulich sei die Gründung der ersten Kinderfeuerwehr „Feuerfunken“ gewesen.

Geehrte, Beförderte und neue Vorstandsmitglieder (v.l.): Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro, Steffen Röder, Daniel Schwedes (stv. Wehrführer/Vereinsvorsitzender), Joachim Littschwager, Matthias Freischlad, Ralf Wagner, Matthias Scholl, Philipp Kasteleiner, Jens Ess, Tom Schäfer, Gainluca Dilauro, Moritz Schneider, Franziska Orth, Maximilian (Konrad) Fischbach, Max Hermann Haas, Ulrich Kasteleiner, Sven Alber (Wehrführer), Dr. Andreas Steiner (Stadtrat), Helmut Schneider (Erster Stadtrat), Maximilian Michels (stv. Stadtbrandinspektor), Bürgermeister Mario Schramm. Foto: Ralf Triesch/Stadt Haiger


Maximilian Michels (Mitte) wurde offiziell zum stellvertretenden Stadtbrandinspektor ernannt. Erste Gratulanten waren (v.l.): Stadtrat Dr. Andreas Steiner, Erster Stadtrat Helmut Schneider, Bürgermeister Mario Schramm und Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro. Foto: Ralf Triesch/Stadt Haiger