Etwas mehr als 21 Jahre sind vergangen, seit ein junger Mann plötzlich und unerwartet im Feuerwehrhaus in Fellerdilln stand und erklärte, er würde „gerne mitmachen“. Natürlich wurde er mit offenen Armen aufgenommen und machte anschließend eine steile Karriere – wurde Jugendleiter, Vorstandsmitglied, Kassierer und 2020 zum Wehrführer und Vereinsvorsitzenden gewählt.
Am vergangenen Samstag sagte Michael Jung „Adé“. Der Feuerwehrchef und seine Familie ziehen nach Niedersachsen, so dass der beliebte Wehrmann seinen Posten aufgeben musste. Zu seinem Nachfolger wurde einstimmig Marcell Denk gewählt, der ebenfalls seit vielen Jahren Verantwortung bei der Wehr trägt. Denk dankte den Kameraden für das Vertrauen und vor allem seinem Amtsvorgänger für seinen großen Einsatz. „Du hast einen Top-Job gemacht – Dein Weggang reißt eine Lücke in die Fellerdillner Wehr“, sagte Denk: „Du hinterlässt große Fußabdrücke, und ich werde versuchen, diese auszufüllen.“
Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Wehrführer Kevin Schönau. „Dieser Weggang ist mir nicht einerlei, wir hatten stets eine sehr gute Zusammenarbeit.“ Aktive und passive Mitglieder seien schockiert gewesen, als sie von Jungs Abschied erfahren hätten. „Wir alle hätten Dich gerne behalten“, sagte Schönau: „Auch wenn wir sehr froh sind, einen sehr guten Nachfolger gefunden zu haben.“ Sowohl Michael Jung als auch seine Ehefrau Jana, die ihren Mann „sehr oft zur Feuerwehr ziehen lassen musste“ (Schönau) erhielten ein Abschiedsgeschenk. Schriftführer Eike Estevez sprach von einem „weinenden Auge“. Man lasse den Wehrführer ungern ziehen, wünsche ihm aber familiär und beruflich alles Gute im Landkreis Hildesheim.
„Wir hoffen, dass Du den Bezug zum Verein nicht verlierst“
In seinem letzten Jahresbericht erklärte Michael Jung, dass die Wehr aus 30 Mitgliedern besteht. Sieben Mitglieder bilden die Alters- und Ehrenabteilung. Die Jugendfeuerwehr hat 12 Mitglieder, zwei Jugendliche starteten das Zwei-Jahres-Programm der Truppmannausbildung. Es gab vier Einsätze, darunter die Brandsicherheitsdienste beim Osterfeuer und beim Schulcup in Haiger. Hinzu kam das Beseitigen einer Ölspur und ein technischer Hilfeeinsatz an der Bahnlinie. Addiert kam die Wehr auf 68,05 Einsatzstunden. Wehr leistete in 2025 insgesamt 1423 Stunden
Auch 32 Übungen sowie diverse Arbeitseinsätze wurden absolviert. Die Wehrleute kamen dabei auf 1028 Übungsstunden. 16 Teilnehmer waren bei zehn Lehrgängen dabei (395 Stunden). Insgesamt wurden 1423,75 Stunden geleistet, das sind deutlich mehr als im vergangenen Jahr. 28 Wehrleute haben den Grundlehrgang absolviert, 28 den Truppmann 2-Lehrgang, 22 sind Sprechfunker und 18 können als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden. Auch 2026 wollen die Fellerdillner an diversen Lehrgängen teilnehmen.
Der auf einem Parkplatz installierte Stromerzeuger sorgt innerhalb der Wehr sowie bei den Bewohnern aufgrund des Standortes für Diskussionen. Die notwendigen Parkplätze, die laut Vorgaben gefordert sind, werden dadurch reduziert. Die Wehrführung hofft, dass in Gesprächen mit dem Magistrat ein besserer Standort gefunden werden kann.
Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro versprach, dieses Thema im Magistrat vorzubringen. Abschließend dankte Michael Jung allen Aktiven, „die zu Tages- und Nachtzeit für die Feuerwehr zur Verfügung stehen“, für ihren großen Einsatz.
In seiner Rolle als Vereinsvorsitzender erklärte Jung, dass der Verein nunmehr 120 Mitglieder hat. Die erfolgreichen Veranstaltungen Sommerfest und Kameradschaftsabend sollen weiterhin angeboten werden. Natürlich wolle man sich auch künftig an der Dorfweihnacht und dem Grenzgang beteiligen.
Abschließend dankte Jung allen passiven und aktiven Kameraden im Namen des Vorstandes und der Wehrführung für ihren Einsatz und ihre Treue zur Feuerwehr.
Buntes Programm für die Jugendfeuerwehr
Jugendwart Thorsten Schupp berichtete, dass neun jungen und drei Mädchen zur Jugendwehr gehören. Zwei neue Jugendliche konnten für die Nachwuchsabteilung begeistert werden. David Henrich hat erfolgreich die Leistungsspange abgelegt. In insgesamt 18 Übungsdiensten wurden die jungen Leute an die Feuerwehr herangeführt. Hinzu kamen weitere Aktionen wie das „Spiel ohne Grenzen“ in Sechshelden, der Waffelverkauf beim Osterfeuer das Verbandszeltlager in Bicken und ein Berufsfeuerwehrtag, bei dem unterschiedliche Übungen ( Personensuche, Personenrettung, Flächenbrand) anstanden. Die kostenlosen Eintrittskarten für das Hallenbad und die Eislauf-Arena, spendiert von der Stadt Haiger, kamen gut an. Schupp dankte seinem Team und allen Helfern sowie dem Vorstand für die gute Zusammenarbeit.
Einstimmig wurde eine Satzungsänderung zu den Mitgliedsbeiträgen verabschiedet, die laut Eike Estevez seit Euro-Einführung nicht angetastet wurden. Aktive zahlen jetzt 15 Euro im Jahr (vorher 10), passive Mitglieder 30 (vorher 20). Damit sei gewährleistet, dass die ein oder andere notwendige Investition durch den Verein auch weiterhin getätigt werden kann. Hierzu gehört unter anderem die Verpflegung beim Kameradschaftsabend.
Schnell über die Bühne gingen die von Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro geleiteten Wahlen, die allesamt einstimmig ausfielen. Neuer Wehrführer ist Marcell Denk, seinen Beisitzerposten im Feuerwehrausschuss übernimmt Justin Kring. Genauso läuft es im Verein – den Vorsitz übernimmt Marcell Denk, Justin King wird Beisitzer.
Andreas Dilauro durfte einige Beförderungen aussprechen: Nils Weber, Marco Rauchfuß und Sascha Kring sind jetzt Oberfeuerwehrmänner, Simon Debus ist Hauptfeuerwehrmann. Auch Ehrungen standen auf dem Programm. Zehn Jahre dabei sind Malte Thielmann, Horst Hepp, Nils Reichmann, Uwe Weber, Andreas Feige und Timo Steiner. 25 Jahre Hermann Maaß; 40 Jahre: Rüdiger Benner, Stefan Großmann, Timo Hees, Thorsten Schupp, Marc Schönau, Rony Henrich. Für die meisten Übungsbeteiligungen wurde Stefan Benner ausgezeichnet, der nur einmal erkrankt gefehlt hatte. Ein weiteres Lob und ein Präsent erhielt Gerätewart Ernst Denk, der sich seit Jahren für die Wehr engagiert.
Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro überbrachte den Dank von Bürgermeister Mario Schramm für die geleistete Arbeit- Er erinnerte daran, dass sich die Wehren seit Jahren für eine Änderung im Nachwuchsbereich einsetzen. Eintrittsalter in die Jugendfeuerwehr sollte mit acht Jahren möglich sein, wie bereits in anderen Bundesländern praktiziert. Ein Jugendfeuerwehrmann könne nach absolvierter Leistungsspange und zwei Jahren Zugehörigkeit in der Jugendfeuerwehr mit 16 Jahren den Truppmann 1–Lehrgang absolvieren. Er könne aber erst mit 17 Jahren in die Einsatzabteilung aufgenommen werden.
„Dies muss, wie auch in anderen Bundesländern möglich, auch für Hessen gelten“, erklärte der SBI: „Es darf nicht sein, dass die motivierten Leute dann noch monatelang warten müssen, bis sie alt genug sind.“
Haigerer Feuerwehrhaus bietet viele Chancen
Die Übung aller Wehren in Frohnhausen 2025 sei ein Jahres- Höhepunkt gewesen und solle 2026 wieder stattfinden. Allerdings sei es schwer, einen Termin zu finden. Auch deshalb müsse der Neubau des Haigerer Feuerwehrhauses schnell angepackt werden. „Dieses bietet uns alle Möglichkeiten für alle Haigerer Wehren, um Übungen und Ausbildungen stattfinden zu lassen. Zum Beispiel auch eine Atemschutzstrecke.“ Abschließend dankte Dilauro der Wehrführung und allen Wehrleute: „Bleibt dabei und bleibt, wie ihr seid. Ich komme immer gerne zu Euch!“
FOTO: Ehrungen und Beförderungen bei der Feuerwehr in Fellerdilln (v.l.): Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro, Marc Schönau, Sascha Kring, Nils Weber., Marco Rauchfuß, Justin Kring, Hermann Maaß, Marcell Denk, Wehrführer/Vorsitzender Michael Jung, Torsten Schupp, Simon Debus, Kevin Schönau (Vize-Wehrführer) und Rüdiger Benner. Foto: Ralf Triesch/Stadt Haiger
