„Vorbereitung ist das Gegenteil von Panik“


Was tun, wenn plötzlich der Strom ausfällt oder zuhause kurzfristig kein Wasser mehr verfügbar ist? Mit solchen alltagsnahen Fragen beschäftigte sich eine Vortragsveranstaltung der ehrenamtlichen Initiative „HaiDigital“ im Haigerer Rathaus. Rund 30 Interessierte informierten sich dort über das Thema „private Krisenvorbereitung“ – praxisnah, verständlich und ohne Angstmacherei. Dass das Thema auf großes Interesse stieß, zeigte sich durch den intensiven Austausch zwischen dem Referenten Thomas Triesch - Kriminalbeamter der Polizeidirektion Lahn-Dill - und einzelnen Zuhörern. Mehrheitlich sprach sich das Publikum dafür aus, das Thema in einer zweiten Veranstaltung fortzuführen.

„Es war spannend und bleibt spannend“, bedankte sich Volker Beck von HaiDigital bei dem Polizisten. Der neue Termin wird in „Haiger heute“, per HaiDigital-Newsletter und in der Haiger-App bekanntgegeben.

Schon beim Betreten des Sitzungssaals wurde deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: Auf einem Tisch lagen eine Akkulampe, Powerbank, ein Gaskocher, Bandagen und weitere Gegenstände, die in Krisensituationen hilfreich sein können. Referent Thomas Triesch, selbst in Haiger wohnhaft, machte früh klar, worum es ihm geht: „Es geht um Krisenvorbereitung und nicht um Krisenvorsorge.“ Vorbereitung bedeute, bereit zu sein – nicht, sich Sorgen zu machen.

Was tun, wenn plötzlich der Strom ausfällt?

Oder wie Triesch es formulierte: „Vorbereitung ist das Gegenteil von Panik.“ Als Beispiel für eine Krisensituation griff er unter anderem den Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres auf. Dort waren zeitweise rund 45.000 Haushalte betroffen, auch Krankenhäuser, Schulen und Tankstellen waren eingeschränkt. Dieses Beispiel zeigte, dass solche Störungen den Alltag deutlich beeinflussen können.

Souveräner Vortrag orientiert sich an Empfehlungen des BBK

Mit ruhiger Art, viel Praxisnähe und direktem Austausch führte Triesch durch den Abend. Souverän sprach er über mögliche Krisensituationen, beantwortete Fragen aus dem Publikum und bezog die Teilnehmer immer wieder aktiv ein. Statt Angst zu machen, setzte der Vortrag bewusst auf Orientierung und alltagstaugliche Lösungen. Eine Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) lag passend dazu zur Mitnahme bereit, denn die Empfehlungen der Bundesbehörde waren die Grundlage des Vortrages.

Hierbei wurde schnell klar, dass es nicht die eine richtige Lösung gibt, sondern jeder individuell entscheiden sollte, wie intensiv er sich mit dem Thema Krisenvorbereitung im eigenen Zuhause beschäftigen möchte. Braucht es wirklich eine zusätzliche Gasflasche oder reicht der eigene Holzofen mit integrierter Kochstelle, um im Ernstfall Essen zubereiten zu können?

Vorräte sinnvoll aufbauen und Haltbarkeitsdaten im Blick behalten

Der Kriminalbeamte stellte zu verschiedenen Kategorien Beispiele zusammen, über die nachgedacht werden kann: Lebensmittelvorräte, Wasseraufbereitung, Hygieneartikel, potenzielle Tauschobjekte als Zahlungsmittel, Datensicherung oder Notfalltreffpunkte innerhalb der Familie. Auch die richtige Lagerung von Medikamenten, Heizmöglichkeiten, Lichtquellen oder mobile Kochstellen wurden angesprochen. Besonders wichtig sei es, Vorräte sinnvoll aufzubauen und Haltbarkeitsdaten im Blick zu behalten. Laut Triesch gelten derzeit nur rund zehn Prozent der deutschen Haushalte als wirklich krisenfest. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfehle inzwischen, sich für mindestens zehn Tage selbst versorgen zu können. Persönlich hält er sogar vier Wochen Vorbereitung für sinnvoll. Als Stütze konnten die Gäste eine Checkliste zum Vortrag mitnehmen, die die wesentlichen Punkte kurz zusammenfasst. Triesch betonte, dass sich Interessierte bei weiteren Fragen bei ihm melden können (Mail: kvhaiger@web.de).

Unter den Zuhörern war auch Stadtrat Dr. Andreas Steiner (FWG), der seitens der Stadt Haiger Einblicke in bestehende Vorbereitungen für Krisensituationen gab. Er berichtete von Notstromaggregaten in allen Haigerer Feuerwehrhäusern und den Verwaltungs- und Führungsstab, der sich für Notfallsituationen bereithält. Außerdem laufen zurzeit krisenvorbereitende Maßnahmen hinsichtlich der Wasserversorgung, um auch hier gewappnet zu sein.

Wer die Haiger-App „HaigerLife“ auf dem Smartphone installiert hat, der kann außerdem von dem Notfall-Push-Kanal der Stadtverwaltung profitieren, über den eine Meldung mit Alarmton ausgespielt wird, sollte eine Gefahr für Leib und Leben bestehen.

Haiger ist bereits in vielen Bereichen gut aufgestellt

Anhand dieser Stellungnahme zog der Referent Triesch das Fazit, dass Haiger bereits gut aufgestellt sei. Geprüft werden sollte, inwiefern eine solche Krisenvorbereitung der Öffentlichkeit mitgeteilt werden könnte: Wäre beispielsweise ein Plan mit Notfalltreffpunkten und Ansprechpartnern sinnvoll? Stadtrat Dr. Steiner sagte zu, dieses Thema in einer Magistratssitzung anzubringen.