„Unermüdlich bereit, Leben zu retten“


„Seit eineinhalb Jahrhunderten stehen Sie unermüdlich bereit, um Leben zu retten, Brände zu bekämpfen und in Notsituationen zu helfen“, sagte Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck (CDU) beim Festakt der Freiwilligen Feuerwehr Haiger anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens. Im Rahmen der gut besuchten Veranstaltung auf dem Marktplatz verlieh er die Ehrenplakette des Landes Hessen an die Haigerer Kernstadtwehr und übergab drei Zuwendungsbescheide, mit denen der Umbau des Feuerwehrhauses in Rodenbach, der Neubau des Stützpunktes in Haiger und die Beschaffung eines Löschfahrzeuges unterstützt werden. Zum offiziellen Kommers waren viele politische Vertreter, aber auch Bürger aus Haiger gekommen, um den Wehrleuten zu ihrem Geburtstag zu gratulieren.  Bürgermeister Mario Schramm erklärte, „Ehrenamt sei keine Arbeit, die nicht bezahlt wird, sondern Arbeit, die unbezahlbar ist“. 

Nach seiner Festrede überreichte der Minister der Stadt Haiger drei Zuwendungsbescheide im Gesamtwert von rund 900.000 Euro. Gefördert werden der Neubau des Feuerwehrhauses in Haiger mit 711.260 Euro sowie die Beschaffung eines Staffellöschfahrzeuges StLF 20-V für die Freiwillige Feuerwehr Haiger mit insgesamt 57.900 Euro. Zudem hat die Stadt Haiger einen weiteren Bescheid für den Erwerb und Umbau des Feuerwehrhauses im Stadtteil Rodenbach (ehemaliges KROmedia-Gebäude) in Höhe von 140.360 Euro erhalten.

„Ein gut ausgestattetes Feuerwehrhaus ist das Herzstück einer leistungsfähigen Wehr“

Mit diesen Bescheiden könne die Einsatzbereitschaft auch in Zukunft gewährleistet werden. „Mit dem Neubau des Feuerwehrhauses in Haiger schaffen wir eine moderne und zukunftsfähige Infrastruktur, die den hohen Anforderungen des heutigen Brand- und Katastrophenschutzes gerecht wird. Ein funktionales und gut ausgestattetes Feuerwehrhaus ist das Herzstück einer leistungsfähigen Feuerwehr. Hier wird nicht nur Technik untergebracht, sondern auch Ausbildung, Kameradschaft und Nachwuchsarbeit gepflegt“, erklärte Poseck, der sich ins „Goldene Buch“ der Stadt eintrug.

Minister Prof. Dr. Poseck trägt sich in das „Goldene Buch“ der Stadt ein

Das neue Staffellöschfahrzeug für die Haigerer Wehr werde diese Infrastruktur perfekt ergänzen. Es ersetze ein über 30 Jahre altes Fahrzeug und stelle sicher, dass die Feuerwehr Haiger auch in Zukunft bestens für ihre anspruchsvollen Einsätze gerüstet sei. Mit der zusätzlichen Förderung für das Feuerwehrhaus im Stadtteil Rodenbach solle die Einsatzfähigkeit der gesamten Feuerwehr in Haiger gestärkt werden, und es werde sichergestellt, dass auch in diesem Stadtteil eine leistungsfähige und moderne Feuerwehrstruktur gewährleistet sei. Gleiches gilt für die offizielle Fahrzeugübergabe eines „MTF“ während der Veranstaltung an die Freiwillige Feuerwehr Dillbrecht (Bericht in der nächsten Ausgabe).

„Das 150-jährige Jubiläum der Feuerwehr Haiger ist ein herausragendes Ereignis, das nicht nur für die Wehr selbst von Bedeutung ist, sondern auch für die gesamte Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger. Wenn eine Feuerwehr ihren 150. Geburtstag feiert, ist das vor allem ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit und gelebte Kameradschaft. In Haiger ist es gelungen, über Jahrzehnte ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Kameradinnen und Kameraden heimisch und zugehörig fühlen“, sagte der Innenminister.

Lob für die Neugründung der Kinderfeuerwehr – der Haigerer „Feuerfunken“

Das beweise auch die jüngste Neugründung der Kinderfeuerwehr – der Haigerer „Feuerfunken“ (wir berichteten) mit 24 Mitgliedern. „Die Freiwillige Feuerwehr versteht sich als eine große Familie, die sich durch großen Einsatz auszeichnet. Das ist in diesen herausfordernden Zeiten wichtiger denn je“, erklärte Poseck.

Mit der Ehrenplakette des Landes Hessen werde das jahrzehntelange, verlässliche Engagement der Kameradinnen und Kameraden gewürdigt. „Seit eineinhalb Jahrhunderten stehen sie unermüdlich bereit, um Leben zu retten, Brände zu bekämpfen und in Notsituationen zu helfen. Diese Tradition ist ein starkes Fundament für die Sicherheit der Menschen vor Ort und ein sichtbares Zeichen des Zusammenhalts“, sagte der Minister: „Den rund 300 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Haiger danke ich für diesen unerlässlichen Einsatz“.

Feuerwehr steht für Einsatzbereitschaft, Mut und Gemeinsinn

Die Wehr stehe beispielhaft für Einsatzbereitschaft, Mut und Gemeinsinn. Sie gebe den Bürgern das Vertrauen, im Notfall schnell und zuverlässig Hilfe zu bekommen. Poseck: „Dieses Jubiläum ist deshalb nicht nur ein Rückblick auf 150 Jahre gelebte Solidarität, sondern zugleich ein Aufbruch in eine sichere Zukunft.“

Im Anschluss an den offiziellen Teil wurden Speisen (unter anderem Waffeln, Gyros, Pizza und Bratwurst) und Getränke und ein buntes Kinderprogramm geboten, sodass die Besucher noch länger am Marktplatz verweilen konnten. Ein Platzkonzert mit den „Egerländer6“ rundete die Feier ab. Während der offiziellen Veranstaltung hatten die Feuerwehrmusikanten Haiger (Leitung Armin Hermann), sowie das Schalmeien-Orchester Haiger (Leitung Isabell Kasteleiner) für musikalische Abwechslung gesorgt. (siehe auch Bericht „Eine echte Erfolgsgeschichte“)

Eine echte Erfolsgeschichte

Zahlreiche Gäste durfte Moderator  Andreas Dilauro zum großen Feuerwehrjubiläum begrüßen. Auch der Vereinsvorsitzende Daniel Schwedes und Wehrführer Sven Alber freuten sich über den guten Besuch. „Es stehen große Projekte vor uns wie zum Beispiel der Bau des Feuerwehrhauses“, erinnerte Schwedes und dankte im Namen der Wehr der Stadt Haiger, allen Feuerwehrkameraden und deren Familien sowie Stadtbrandinspektor Andreas Dilauro.

In seiner Begrüßung erwähnte Moderator Dilauro besonders die Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung, „ohne die die Haigerer Wehr nicht das wäre, was sie ist“, und den Stadtbrandinspektor a.D. Dieter Peter. Ebenfalls hieß er die Landtagsabgeordneten Stephan Grüger (SPD) und Jörg-Michael Müller (CDU) sowie Stadtverordnetenvorsteher Bernd Seipel (CDU) willkommen.

Erfreulich sei auch die Teilnahme von Vertretern der Haigerer Firmen Kühne und Nagel, PMS Pulverich und Weiss Chemie + Technik. „Sie sind besondere Partner der Feuerwehr, ohne die dieses Ehrenamt nicht erbracht werden könnte. Die Unternehmen seien seit Jahren „ein verlässlicher Partner der Feuerwehr“. Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz hatte als Vorstand des Feuerwehrverbandes Dillkreis eine Spende mitgebracht, die bei den Haigerer Kameraden verständlicherweise gut ankam. Auch „Weiss Chemie + Technik“ sowie Kühne + Nagel überreichten Spendenschecks.  

„Als sich vor 150 Jahren die Männer von Haiger entschlossen, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen, hatten sie sicherlich die Hoffnung, dass diese Vereinigung der Bevölkerung eine bessere Hilfe bei Feuersnöten und anderen Notlagen bringen könnte“, sagte Dilauro. „Es war die Bereitschaft, ganz freiwillig, ohne jeden Zwang Verantwortung zu übernehmen und aus den Brandkatastrophen der Vergangenheit und Gegenwart zu lernen. Der Gedanke, für die Bürgergemeinschaft den Feuergefahren entgegenzutreten, hatte unsere Vorfahren dazu bewegt, den Schritt von der Pflichtfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr zu wagen.“

In der damaligen Zeit sei dies ein großer Schritt ins Ungewisse gewesen, aber die Bewohner von Haiger hätten dies als einen notwendigen Weg angesehen, was sich in den Mitgliederlisten aus der Gründerzeit erkennen lasse. „Aus fast jedem Haushalt war mindestens eine männliche Person Mitglied der freiwilligen Feuerwehr“, erklärte der Moderator. Er wies besonders auf die lesenswerte Chronik „150 Jahre Feuerwehr Haiger“ hin, die ab sofort für fünf Euro im Stadthaus erhältlich ist. Sie enthält Berichte zur Geschichte der Wehr sowie zu Großeinsätzen wie spektakulären Unfällen, Hochwasser-Ereignissen und dem Waldbrand 2022 im Roßbachtal.

„150 Jahre Sicherheit“

Kreisbrandinspektor Harald Stürtz, der auch für Landrat Carsten Braun sprach, fasste das Jubiläum kurz zusammen: „Es bedeutet 150 Jahre Sicherheit für die Menschen in Haiger, 150 Jahre Kameradschaft, 150 Jahre neue Herausforderungen, Erfolgserlebnisse, Trauer, Schmerz, Betroffenheit, das Betrauern von Kameraden, Verzicht und flächendeckenden Brandschutz. Auch er lobte die Gründung der Kinderfeuerwehr „Feuerfunken“.

Bürgermeister Mario Schramm hatte nachgerechnet und berichtete, dass die Freiwillige Feuerwehr Haiger seit 54.750 Tagen und seither 1.314.000 Stunden Dienst für den Nächsten und damit Dienst für die Bürgerschaft geleistet habe. „Dieser runde Geburtstag ist Ausdruck der Erfolgsgeschichte einer unserer wichtigsten Organisationen, in der seit 1875 unzählige Ehrenamtliche in verantwortungsbewusster Arbeit ihren Einsatz und Bereitschaft geleistet haben“, sagte der Rathaus-Chef. Diesem engagierten Ehrenamt gelte es, Danke zu sagen und Ehre zu erweisen.

Seit Gründung in 1875 habe sich die Aufgabenstellung der Wehr inhaltlich total geändert. Lag der Fokus der ehrenamtlichen Arbeit ursprünglich ausschließlich auf der Brandbekämpfung – anfangs wurde das Wasser zur Brandbekämpfung noch mit Ledereimern zur Brandstelle befördert – so bildeten heute die technischen Hilfeleistungen bei Unfällen (Haushalte, Betriebe oder auf der Straße) den Hauptschwerpunkt ihrer Arbeit. Die damit verbundenen Gefahren und das notwendige moderne technische Gerät stellten mittlerweile höchste Anforderungen an die Aus- und Fortbildung. Allerdings seien das Ziel und der Leitgedanke „Dienst am Nächsten“ unverändert geblieben – das sei in der heutigen Gesellschaft nicht hoch genug zu bewerten und müsse weiter in die Zukunft hineingetragen werden. Schramm: „Sie halten sich zu jederzeitigem Einsatz für die Gemeinschaft bereit und setzen ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel, um anderen zu helfen, dafür gilt unser Dank.“ Darüber hinaus sei die Feuerwehr aus dem Vereinsleben der Stadt Haiger nicht wegzudenken und trage durch vielfältige Veranstaltungen und Teilnahmen an Veranstaltungen wesentlich zur örtlichen Gemeinschaft bei.

Schramm erinnerte daran, dass das erste Feuerwehrhaus auf dem Steigplatz stand und Jahre später der Stützpunkt in der Kreuzgasse gebaut worden sei. Jetzt arbeite die Stadt gemeinsam mit der Wehr auf Hochtouren am Umzug in die Allendorfer Straße. „Das Baurecht in Form eines Bebauungsplanes steht kurz vor dem Abschluss, sodass, wenn alles gut läuft, mit dem Baubeginn in 2026 gerechnet werden kann.“

24 Stunden Bereitschaft

Schramm dankte allen aktiven Feuerwehrkameradinnen und -kameraden auch aus den Stadtteilwehren, für ihr riesiges Engagement im Dienst der Gemeinschaft und der Bürgerschaft – „und das jeden Tag, 24 Stunden lang im Ehrenamt“. Ein ganz besonderer Dank galt auch den Familienangehörigen, die ganz wesentlich dazu beitragen, dass die Wehrleute so viel Zeit in dieses wichtige Ehrenamt einbringen könnten.

Der Bürgermeister gratulierte herzlich und wünschte im Namen des Magistrates allen Feuerwehrangehörigen, dem Wehrführer Sven Alber, der Einsatzabteilung, der Jugend- und Kinderfeuerwehr, der Alters- und Ehrenabteilung und den Haigerer Feuerwehrmusikanten für die Zukunft alles Gute, viel Erfolg, möglichst wenig Schadensfälle und weiterhin eine hervorragende Kameradschaft.