„Dolles Dorf“ wird hessenweit bekannt


Es war kurz vor 20 Uhr am Donnerstagabend, als die Menschen in Dillbrecht aus der Sommeridylle geholt und vom Hessischen Rundfunk (HR) herausgefordert wurden. Live in der Hessenschau wurde der Haigerer Stadtteil als „Dolles Dorf“ aus der großen Lostrommel gezogen – und damit stand um „kurz vor Zehn“ später ein Team des HR am Feuerwehrhaus der 700 Einwohner zählenden Haubergsgemeinde „auf der Matte“. „Habt Ihr ein Bier für mich?“, fragte Moderator Jens Kölker, auf den ein ereignisreiches Wochenende warten sollte. 

Seit 1995 wird ein „Dolles Dorf“ (Orte mit weniger als 2000 Einwohnern) gezogen und das aktive Dorfleben ins rechte (Fernseh)licht gerückt. Als das Team des HR ankam, waren die Ortsvereine unter Leitung des Verwaltungsbeauftragten Georg Debus schon in intensiven Überlegungen, was es besonders Sehenswertes aus ihrem Ortsteil festzuhalten gilt.

Für Haigers neuen Bürgermeister Christian Helfert war es keine Frage, nach Dillbrecht zu fahren und dort seine Unterstützung anzubieten. „Eine tolle Aktion. Schön, dass wir dabei sind“, freute sich der Rathaus-Chef. Bis weit nach Mitternacht wurden in Dillbrecht Vorschläge gesammelt, Ideen ausgetauscht und Pläne geschmiedet, bis ein Gesamtkonzept für den folgenden Drehtag stand.

 Dorfladen, Kindersport und Kirchengemälde

„Dillbrechts große Shopping-Mall“  (der Dorfladen von Manuel Krumm) war am Freitag erste Anlaufstelle. Hier staunten die Fernsehleute nicht schlecht, mitten in den Haubergen einen topmodernen (Mini)-Einkaufsmarkt vorzufinden, dessen umfangreiches Sortiment auf Vertrauensbasis angeboten wird und mit App, Bargeld und Karten gezahlt werden kann. Beim „Kindersport“ in der Turnhalle kamen die Kleinsten richtig ins Schwitzen. Gemeinsam spielten und tobten hier Dillbrechter Kinder und Kinder von Geflüchteten zusammen und leisten erste Schritte für eine gute Dorfgemeinschaft und Integration, wie es Burkhard Triesch erläuterte.

Hiltrud Specka von der Kirchengemeinde erläuterte die Entstehung und Geschichte des Deckengemäldes im Gotteshaus, das zur Überraschung der TV-Leute einen Pelikan zeigt.

 Natürlich durfte auch ein Ausflug in die Hauberge nicht fehlen. Georg Debus erklärte anschaulich die Einzigartigkeit dieser nachhaltigen Haubergswirtschaft für die Region. „Wir alle wachsen mit dem Hauberg auf.“  Nachdem sich alle an der Grillhütte mit Dillbrechter Kartoffelwaffeln gestärkt hatten, trafen sich die Dorfbewohner am Nachmittag rund um die Kirche zum gemeinsamen Anschluss und dem Höhepunkt. Bürgermeister Helfert, der den Austausch mit den Bürgern suchte, konnte mit allen Besuchern den Maimann im Juli bewundern. Der Maimann, der den Sieg des Sommers über den Winter darstellen soll, ist eine Tradition, die vor allem im nördlichen Lahn-Dill-Kreis seit Mitte des 19. Jahrhundert an Pfingsten zu finden ist.

Bei Temperaturen um 30 Grad kam Maimann Max Manderbach auch deutlich ins Schwitzen, denn vom Einbinden in das Buchenlaub am Morgen bis zum Gang durchs Dorf im Blätterkostüm musste er knapp zwei Stunden ausharren. Aber das kalte Belohnungsbier stand danach schon bereit.

Die Freiwillige Feuerwehr des Ortsteils konnte – nicht ohne Stolz – einen neuen Ausrichtungsgegenstand vorführen. Einen ausfahrbaren Lichtmastanhänger, der bei Dunkelheit Einsatzstellen ausleuchten kann und „nicht alltäglich ist“, wie der stellvertretende Wehrführer Detlef Coenen berichtete.

Großes Finale unter der Linde an der Kirche

Zum Abschluss und damit dem Abschiedsgruß an alle HR-Zuschauer fand sich ein Chor der Dorfgemeinschaft an der Kirche zusammen und gab das „Dillbrechter Heimatlied“ zum Besten. Nach der Melodie „An der Nordseeküste“ und dem Text von Kurt Becker auf echtem „Dillbrechter Platt“, konnte jeder zu Recht stolz auf (s)ein „Dolles Dorf Dillbrecht“ sein, das sich von seiner besten Seite gezeigt hatte. Bei Bratwurst und kühlen Getränken für alle fand der Nachmittag dann seinen entspannten Ausklang.

Der fünfminütige Bericht kann über die Internetseite www.hessenschau.de aufgerufen werden.