„Einmaliges Fest“ wird 40 Jahre alt


Wenn man heute durch die Haigerer Altstadt schlendert und jeweils am zweiten Samstag im Juli die Klänge von Livemusik aus allen Ecken hört, wirkt das Altstadtfest wie eine Selbstverständlichkeit. Klar - das war doch schon immer so! Doch vor 40 Jahren sah die Sache ganz anders aus. Damals sollte das Fest lediglich den Schlusspunkt unter ein großes Bauprojekt setzen. Dass daraus eine der beliebtesten Traditionen der Stadt werden würde, die in der gesamten Region Beachtung findet, ahnte im August 1986 wohl niemand.

Die Geschichte beginnt nicht 1986, sondern bereits 1969. Damals entstanden erste Pläne, die Haigerer Altstadt grundlegend aufzuwerten. Eine Fußgängerzone - Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre deutschlandweit ein Thema - sollte geschaffen werden, um den historischen Stadtkern attraktiver und lebenswerter zu machen. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein ehrgeiziges Vorhaben.

Fußgängerzone: Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein ehrgeiziges Vorhaben

Es folgten Jahre des Planens, Diskutierens und Bauens. Straßen wurden verkehrsberuhigt, der Marktplatz umgestaltet, der Brunnen angelegt und die historische Bausubstanz behutsam in die Modernisierung eingebunden. Ziel war es, die Altstadt fit für die Zukunft zu machen, ohne ihren gewachsenen Charakter zu verlieren.

Am Wochenende des 23. und 24. August 1986 war es schließlich so weit. Die Altstadtsanierung war abgeschlossen, die neue Fußgängerzone fertiggestellt und der Marktplatzbrunnen rechtzeitig in Betrieb genommen. Ein guter Anlass zum Feiern, dachte man zumindest.

Rund 30.000 Besucher strömten zur Premiere in die Haigerer Altstadt

Am Samstagvormittag um 11 Uhr wurde die Fußgängerzone offiziell von Bürgermeister Willi Kröckel und dem Magistrat eingeweiht. Geplant war ein harmonischer Festnachmittag für Bürgerinnen und Bürger. Doch was dann geschah, übertraf sämtliche Erwartungen.

Rund 30.000 Besucher strömten in die Haigerer Altstadt. Zwölf Kapellen sorgten bis weit nach Mitternacht für musikalische Unterhaltung. Die Straßen waren voller Menschen, die Stimmung ausgelassen, und der neue Marktplatzbrunnen entwickelte sich sofort zum beliebten Treffpunkt. Und dabei sollte es vier Jahrzehnte lang bleiben. Wenn das Altstadtfest in Haiger gefeiert wird, dann ist die Bude voll.

Das Bemerkenswerte an der Geschichte: Das erste Altstadtfest war gar nicht als wiederkehrende Veranstaltung geplant. Es sollte ein einmaliges Ereignis bleiben, eine große Abschlussfeier - und dann sollte es zurück in den Alltag. Doch die Rechnung war ohne die Besucher gemacht worden.

Die Begeisterung war so groß, die Resonanz so positiv, dass schnell klar wurde: Dieses Fest darf keine Eintagsfliege bleiben. Aus einer einmaligen Feier wurde eine Tradition, die Jahr für Jahr Menschen aus Haiger und der gesamten Region zusammenbringt. Vier Jahrzehnte später hat sich das Altstadtfest fest im Veranstaltungskalender etabliert. Jedes Jahr am zweiten Samstag im Juli beginnt der Abend traditionell mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche. Anschließend verwandelt sich die Altstadt in eine große Festmeile.

Mehrere Bühnen (derzeit sind es vier), Livemusik unterschiedlicher Stilrichtungen von Schlager bis Rock, Begegnungen mit Freunden und Bekannten, kulinarische Angebote sowie das besondere Flair der historischen Altstadt machen den Reiz der Veranstaltung aus. Bis nach Mitternacht wird gefeiert, ganz so, wie es die Besucher bereits 1986 vorgemacht haben.

Rückblickend war das erste Altstadtfest weit mehr als die Einweihung einer Fußgängerzone oder die Vorstellung eines neuen Brunnens. Was als Abschluss eines städtebaulichen Projekts begann, entwickelte sich zu einem beliebten Fest, das Jahr für Jahr viele Besucher anlockt.

So feiert Haiger in diesem Jahr am 11. Juli 40 Jahre Altstadtfest, und das nur, weil eine eigentlich einmalige Feier einfach zu schön war, um sie nur einmal stattfinden zu lassen.