"Es geht um Eure Rechte!"


„Es geht um Eure Rechte! Damit Ihr diese spielerisch erkunden könnt, hat der städtische Fachdienst Kindergärten eine Ausstellung organisiert“, sagte Bürgermeister Schramm zur Eröffnung der Veranstaltung „Kinderrechte stärken“ im Haigerer Rathaus. Rund 70 Besucher, darunter zahlreiche Kinder, Eltern, pädagogische Fachkräfte und Kita-Leitungen, die Fachaufsicht des Lahn-Dill-Kreises Diana Bastian, der Gesamtelternbeirat sowie Trägervertreter waren vor Ort und setzen damit ein Zeichen für Kinderrechte.

Zusätzlich zur Besichtigung der Fotoserie der städtischen Kindertageseinrichtungen gab es zwei Liedvorträge zum Thema und ein kindgerechtes Theaterstück von Creative Change aus Offenbach. Damit auch jeder sehen konnte, dass die jungen Besucher an diesem Tag im Fokus stehen, durften sich alle eine Krone basteln und stolz präsentieren. Ziel der Veranstaltung war es, erneut auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen – denn wer seine Rechte kennt, kann für sie einstehen und kann sich besser vor Grenzverletzungen schützen.

„Ihr seid lustig, stark, fröhlich…und damit Ihr das auch immer bleibt, ist es wichtig, dass man auf Euch aufpasst. Deshalb haben vor rund hundert Jahren schlaue Leute einheitliche Kinderrechte zu Papier gebracht. So wie wir sie heute kennen, existieren sie aber erst seit 34 Jahren“, erklärte Ina-Mareike Giangrande, Kita-Fachberatung der Stadt Haiger und Organisatorin der Veranstaltung „Kinderrechte stärken“, den Kindern. Das fertige Werk heißt UN-Kinderrechtskonvention und es gilt für alle Kinder weltweit – ganz gleich, wo sie leben, welche Hautfarbe oder Religion sie haben und ob sie Mädchen oder Junge sind. Denn allen Kindern ist eines gemeinsam: Sie brauchen besonderen Schutz und Fürsorge, um sich gesund zu entwickeln und voll zu entfalten. Ihnen diesen Schutz zu geben - darum geht es in der Kinderrechtskonvention.

Anlässlich des Internationalen Tages der gewaltfreien Erziehung am 30. April wurde nun die Fotoserie, bei der die Mädchen und Jungen der Kitas und ihre Fachkräfte liebevoll gemeinsam jeweils ein Kinderrecht bildlich umgesetzt haben, erneut ausgestellt – ursprünglich wurde sie für die Familientage im September 2025 erstellt. Denn die Wahrung der Kinderrechte ist in den Konzepten der Haigerer Kitas verankert und eine gesetzliche Verpflichtung frühkindlicher Bildungseinrichtungen.

Elf wichtigste Kinderrechte

In der Veranstaltung im Rathaus drehte sich alles um die elf zentralen Kinderrechte, die auch auf der Fotoserie zu sehen waren: Alle Kinder haben die gleichen Rechte (Artikel 2), Recht auf Beteiligung (Artikel 12), Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit (Artikel 13), Recht auf Privatsphäre (Artikel 16),Recht auf elterliche Fürsorge (Artikel 18),Recht auf ein Leben ohne Gewalt (Artikel 19),Kinder haben das Recht, im Krieg und auf der Flucht besonders geschützt zu werden (Artikel 22),Das Recht auf Besondere Fürsorge und Förderung (Artikel 23), Recht auf Gesundheit (Artikel 24), Recht auf Bildung (Artikel 28), Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig zu sein (Artikel 31). Passend zur aktuellen Fotoausstellung im Rathaus hat die Stadtbücherei Haiger sieben Bücher angeschafft, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Im Repertoire sind Bücher für die jungen Leser, aber auch eine 80-seitige Lektüre für Erwachsene: „Kinderrechte“ von Maria Montessori. Das pädagogische Fachbuch handelt von der Forderung nach Kinderrechten in den 1920er Jahren und nach 1945 und ist besonders interessant für Pädagogen und Eltern, die sich mit der historischen Entwicklung der Kinderrechte auseinandersetzen möchten. „Wir brauchen Erwachsene, die die Rechte der Kinder weitertragen“, betonte Giangrande.

Kindgerechtes Theaterstück verdeutlicht die Rechte an einer Spielplatz-Geschichte

Auch über zwei musikalische Darbietungen durften sich die Besucher freuen: die Kinderchorgruppe der Katholischen Gemeinde trug den Kinderrechte-Song „Ich darf das!“ von der Band Honigkuchenpferd vor und die Kindertageseinrichtung Steinbach rappte, was das Zeug hält: „Meine Gefühle sind richtig und wichtig!“ hieß eine Liedzeile des Kinderschutz-Raps von Birgit Gattringer. Ihre Botschaften unterstrichen die Kids mit Tanzbewegungen – hier war mitmachen angesagt! Als besondere Gäste eingeladen war die Gruppe „Creative Change“ aus Offenbach/Main, die auf politische Bildung in Schulen und Kitas spezialisiert ist. Die vier Darsteller präsentierten ein kindgerechtes Theaterstück zu den elf Kinderrechten - das Szenario spielte sich auf einem fiktiven Spielplatz ab. Jede Szene bewegte sich nah an der Lebensrealität der Kinder: Ein Kind verletzt sich beim Spielen – es braucht ein Pflaster; Wir wollen etwas spielen – dann darf auch die kleine Ella mitmachen; Was machen wir als nächstes? – jedes Kind darf mitbestimmen. Ein magisches Buch half den vier Freunden dabei, die Kinderrechte zu erkennen und diese anschließend einzufordern. Es gab demnach immer einen Konflikt, anschließend wurde eine Lösung im Sinne der Kinderrechte gefunden. Während des Schauspiels folgten die Kinder der Handlung gespannt, riefen ihre Tipps rein und mussten auch aus Herzen lachen. „Guuuuut!“ war es, riefen die Jüngsten. Um die elf Kinderrechte zum Abschluss noch einmal zu festigen, brachte Siska Snoek, pädagogische Fachkraft aus der Kita Offdilln ein selbst erstelltes Wimmelbild vom Haigerer Marktplatz mit, auf dem die elf Kinderrechte entdeckt werden können. So ist beispielsweise ein spielendes Kind zu sehen, was dem „Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig zu sein“ entspricht. Ein anderes Kind sitzt auf einer Band und kriegt ein Pflaster auf eine Wunde, daneben steht ein Arztkoffer. Ganz klar das „Recht auf Gesundheit“. Und so entdeckten die Kinder nach und nach die einzelnen Rechte und durften sich ihr eigenes Ausmalbild für Zuhause mitnehmen.

 

„Creative Challenge“ präsentierte ein kindgerechtes Theaterstück zum Thema.             Foto: Lea Siebelist/Stadt Haiger