Exponate erzählen ihre Geschichte


Die Winterpause ist vorbei: Ab dem 12. April (Sonntag) öffnet das deutschlandweit einmalige Leinenmuseum in Haigerseelbach wieder seine Pforte. An jedem ersten Sonntag im Monat (Ausnahme April) von 14 bis 17 Uhr dreht sich im ehemaligen Haigerseelbacher Rathaus wieder alles rund ums Thema Leinen, Blaudruck und Spitze. Die Sammlung bietet einen einzigartigen und beeindruckenden Überblick über den Weg vom Flachs zum Leinen. Zu sehen sind auch seltene Einzelstücke wie das sogenannte „Versehtuch“ aus dem Jahr 1727, dessen Wert nicht schätzbar ist.

 „Wir zeigen unter anderem Leinenstücke, Familienerbstücke, Spitze aus aller Welt und wertvolle Einzelstücke wie das schwarze Spitzenkleid von Agatha von Reichenbach“, berichtet Ute Schimmel, die gemeinsam mit Leonie Jahnke und einem kleinen Team die Besucher durch das Museum führt. Im Gespräch mit „Haiger heute“ stellt sie einige ihrer Lieblingsstücke aus dem Museum vor.

Spitzenkleid stammt aus dem Jahr 1890

Das spektakuläre Spitzenkleid von Agatha von Reichenbach wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin getragen. Agatha war die Gattin von Oskar von Reichenbach, er war der Generalmajor in den Diensten des Kaisers. Das Kleid wurde 1968 von ihrer Enkelin umgeändert, um einem moderneren Stil zu entsprechen. „Die Spitze wurde dem Museum von Agatha von Reichenbachs Urenkelin Herzeleide Henning (geb. von Reichenbach) geschenkt“, erklärt Ute Schimmel.

Liturgisches Tuch ist fast 300 Jahre alt

Das Kleid ist nicht der einzige „Hingucker“ im alten Rathaus. Unter anderem befindet sich im Leinenmuseum das einzigartige Versehtuch aus dem Jahre 1727. Der ehemalige Besitzer aus Bayrisch Zell hat das Exponat an das Museum gespendet. Ein Versehtuch ist ein liturgisches Tuch, das früher in der Katholischen Kirche beim Sterbesakrament oder auch der Krankensalbung verwendet wurde.  Es besteht aus feinem Leinen und wurde handbestickt - zu sehen ist die Kreuzigungsszene. „Durch den guten Zustand des 300 Jahre alten Tuches ist dessen Wert nicht schätzbar“, berichtet Ute Schimmel nicht ohne Stolz. 

Besonders sehenswert ist auch die Sammlung von Spinnrädern, unter ihnen ein ungarisches Spinnrad, über die das Museum verfügt. Dieses besondere Spinnrad wurde kurz vor der Wende 1989/1990 von einem Händler gekauft und aus Ungarn über die Grenze geschmuggelt. Lange Zeit blieb es im Verborgenen in einem Keller stehen, bis es irgendwann wiedergefunden wurde und an das Seelbacher Museum gespendet wurde.

„Besonders an ihm ist die kleine kompakte Größe und die gut erhaltene Original-Malerei“, erklärt Ute Schimmel: „Viele unserer Exponate erzählen ihre eigene Geschichte.“

Die Ausstellung begeistert mit einer Vielzahl außergewöhnlicher Exponate. Das Leinenmuseum steht für die Bewahrung und Vermittlung der Geschichte der Leinenherstellung und Handarbeit in der Region und zeigt den gesamten Weg von der Flachspflanze bis zum fertigen Leinenstoff und Kleidungsstücken. Vor wenigen Jahren wurde die Spitzenabteilung neu gestaltet. Zu sehen ist jetzt zum Beispiel die handgefertigte irische Carrickmacross-Spitze, die auch im Brautkleid von Lady Diana verarbeitet wurde.

Das Museum in der Seelbacher Straße 9 ist bis zum November an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet. Gruppenführungen sind nach Absprache mit der Touristinfo in Haiger (Tel. 02773/811-480) möglich. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 2,50 Euro (Kinder haben freien Eintritt).  

Weitere Informationen: https://www.haiger.de/freizeit-tourismus/kunst-und-kultur/museen/