Der Marktplatz-Gottesdienst hat sich zu einem echten „Pflichttermin“ entwickelt, an dem immer mehr Christen aus Haiger und den Stadtteilen teilnehmen. Zur Veranstaltung am vorvergangenen Sonntag kamen rund 1000 Besucher ins Haigerer Stadtzentrum. Christen aller Konfessionen hatten sich an der Organisation des Gottesdienstes beteiligt, der unter dem Motto „Schritte zum Frieden“ stand.
Die Predigt hielt Manuel Fleßenkämper (FeG Rodenbach), die Moderation übernahm Betty Dörr (Lighthouse Haiger), während für die Gesamtkoordination Christian Pestel (EfG Haiger) verantwortlich zeichnete. Das Anspiel gestalteten Melanie Fuchs und Edgar Kessler (EfG Haiger), musikalisch begleitete die Band um Steffen Runzheimer den Gottesdienst. Der Posaunenchor unter Leitung von Helmut Bachmann eröffnete die Veranstaltung mit bekannten Klassikern. An den Fürbitten waren Vertreter unterschiedlicher Kirchen und Gemeinden beteiligt. Um die Kinder kümmerten sich der TV Haiger (Rebecca Post) und die FeG Rodenbach (Deborah Elst) gemeinsam. Für die Bewirtung sorgte das Team des internationalen Kairos-Projekts. Im Anschluss öffneten auch das Café Lebenswert und die Eisdiele am Marktplatz ihre Türen für die Gäste. Ein Dank der Organisatoren ging an die Stadt Haiger für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld. Auch Bürgermeister Christian Helfert ließ es sich nicht nehmen, beim Gottesdienst dabei zu sein. Die Organisatoren dankten allen, die beim Auf- und Abbau angepackt oder weitere Aufgaben im Hintergrund übernommen hatten. „Diese Veranstaltung ist eine Sache der Gemeinschaft. Ohne die zahlreichen Helfer stünde am Ende kein Gottesdienst“, sagte Manuel Fleßenkämper.
„Haltet euch nicht selbst für klug“
Der Pastor hatte seiner Predigt unter dem Thema „Schritte zum Frieden“ einen Text aus Römer 12 zugrunde gelegt, in dem Paulus diverse Regeln aufstellt: „Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht. Habt mit allen Menschen Frieden.“ Scherzhaft erinnerte Fleßenkämper an den berühmten, 1873 vorgestellten amerikanischen Colt 45 mit dem Spitznamen „The Peacemaker“ (Friedensmacher). Der Name habe funktioniert, „weil es das Bedürfnis der Leute im Wilden Westen getroffen hat: etwas zu haben, womit man selbst für Frieden sorgen kann“. Das sei die Logik dieser Welt. Der Mensch wolle den Frieden selbst schaffen. Notfalls mit Kaliber 45. Ebenfalls 1873 sei das Lied „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“ entstanden. Geschrieben von dem amerikanischen Anwalt Horatio Spafford, der innerhalb weniger Monate fünf Kinder verloren hatte.
Trotz dieser Schicksalsschläge habe er das Lied mit dem Refrain „Mir ist wohl. Mir ist wohl in dem Herrn“ verfasst. „Es bleibt bemerkenswert, dass ein Mensch, der so viel verloren hat, so etwas schreiben kann“, sagte der Pastor. Hier komme Gott in die Gleichung. Er schenke einen übernatürlichen Frieden, den man nicht mit Kaliber 45, nicht mit einem Anwalt, nicht mit einem Gesetz und nicht mit Soldaten bekomme. Der Friede mit Gott sei ein Zustand - unabhängig davon, wie man sich fühle und ob man diesen Frieden gerade spüre oder nicht. „Du hast Frieden mit Gott nicht, weil du so großartig bist. Nicht, weil du der Macher bist, sondern wegen Jesus Christus“, fasste Fleßenkämper zusammen. Wegen Jesus Christus könne man auch Frieden mit Menschen halten. Der Friede Gottes sei ein Geschenk. „Nichts, was wir verdient oder gekauft haben.“ Die Erkenntnis, dass „Jesus schon Frieden für dich geschaffen hat“ sei ebenso wichtig wie die Forderung, sich nicht selbst für klug zu halten.
Den Kreislauf des Unfriedens verlassen
Es gehe stattdessen darum, den anderen zu verstehen, den Kreislauf des Unfriedens zu verlassen und sich nicht selbst um sein Recht zu sorgen. Abschließend gab Fleßenkämper seinen Zuhörern einen Merksatz mit auf den Weg: „Du bist nicht dafür verantwortlich, dass Frieden herrscht. Du bist dafür verantwortlich, dass der Unfriede nicht an dir liegt. Dass du nicht der bist, der stört.“
