Mehr als ein Ort der Wissensvermittlung


Rockige Klänge der Schulband, bewegende Erinnerungen und ein Blick in hochmoderne Lernräume: Die Johann-Textor-Schule hat ihr Jubiläum 100+1 Jahre Standort „Am Hofacker“ gefeiert und dabei eindrucksvoll gezeigt, was die Bildungseinrichtung seit Generationen ausmacht: Tradition, Gemeinschaft und Zukunft sind hier eng miteinander verbunden. Passend dazu wurde das Motto „Tradition trifft Moderne“ formuliert. Zur Feier wurde nicht nur auf mehr als ein Jahrhundert Schulgeschichte zurückgeblickt, sondern auch die Zukunft des Lernens sichtbar gemacht. „Wir feiern nicht nur die Vergangenheit, sondern auch das, was vor uns liegt“, betonte Susanne Menges vom Stadtarchiv Haiger in ihrem Vortrag zur Historie der Schule am Hofacker.

Bereits die musikalischen Beiträge der Schulband machten deutlich, was die Johann-Textor-Schule auszeichnet: Engagement, Gemeinschaft und die Bereitschaft, Talente zu fördern. Mit bekannten Songs, mehrstimmigem Gesang und beeindruckenden Soli sorgten die Schülerinnen und Schüler für einen schwungvollen Auftakt und begeisterten die Gäste in der Aula.

Die Musiker präsentierten beispielsweise „Fix you“ von Coldplay oder „Bring Me to Life“ von Evanescence - und während ihrer Vorträge spielte sich auch ganz viel im Hintergrund ab: ein Schulkamerad knipste beispielsweise Fotos vom Auftritt, Lehrer David Just behielt das Mischpult im Blick.

Dass die Johann-Textor-Schule weit mehr ist als ein Ort der Wissensvermittlung, zog sich wie ein roter Faden durch die Feier. Der stellvertretende Schulleiter Matthias Deffner sprach von einer „Doppelfeier“: dem Jubiläum des Schulstandortes und der Fertigstellung der sanierten und neu gestalteten Bereiche im D- und E-Trakt. Mit Mediothek, Makerspace, 3D-Druck-Raum und modernisiertem Foyer entstanden neue Räume, die zeitgemäßes, projektorientiertes Lernen ermöglichen.

Gleichzeitig pflegt die Schule weiterhin die Werte, die sie seit Generationen ausmacht: ihre familiäre Atmosphäre, das Miteinander und den Blick auf den Menschen hinter den Noten. Das Motto „Tradition trifft Moderne“ wird hier gelebt, denn gewisse Leitlinien zu bewahren, muss nicht Stillstand bedeuten, sondern kann bewusst mit neuen Wegen verknüpft werden und voneinander profitieren.

Wie stark die Verbundenheit der Johann-Textor-Schule wirkt, zeigten die persönlichen Erinnerungen vieler Gäste. Kerstin Weber, Leiterin der Abteilung Bau- und Immobilienmanagement des Lahn-Dill-Kreises, kennt die Johann-Textor-Schule aus zwei Perspektiven. Beruflich begleitet sie die Sanierungsmaßnahmen vonseiten des Kreises und zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung: „Modern. Funktional. Ansprechend. Das Ergebnis lässt sich wirklich sehen.“

Auch persönlich verbindet sie viel mit dem Lernort als Mutter, deren Tochter eine enge Verbindung zu ihrem Klassenlehrer hatte und noch heute von diesem zum Geburtstag gratuliert bekommt. Auch der Erste Stadtrat Niklas Debus (CDU) blickte in seinem Grußwort als ehemaliger Schüler auf seine Zeit an der Johann-Textor-Schule zurück. Von 2005 bis 2011 besuchte er selbst die Schule am Hofacker und erinnert sich gerne an diese Zeit. Vor allen das familiäre Miteinander sei ihm in guter Erinnerung geblieben. „Schule ist mehr als Unterricht. Schule ist ein Ort der Begegnung. Hier entstehen Freundschaften, Erinnerungen werden geschaffen, Zukunft beginnt“, sagte Debus. „Noten machen nicht den Wert eines Menschen aus.“

Auf weitere „100 + x Jahre“

Die Geschichte des Lernens in Haiger reicht tatsächlich weit über die vergangenen 101 Jahre am Schulstandort „Am Hofacker“ hinaus. Susanne Menges vom Stadtarchiv Haiger nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise von den Anfängen der Knabenschule vor rund 500 Jahren, damals noch angesiedelt in der Nähe des Marktplatzes, bis zur heutigen Johann-Textor-Schule.

Dabei erwähnte sie prägende Ereignisse, wie die Bombardierung des Schulgebäudes im Zweiten Weltkrieg und die Namensgebung nach dem Stadtschreiber Johann-Textor. Schritt für Schritt entwickelte sich in Haiger der Schulstandort, wie wir ihn heute kennen. Immer wieder machte Menges deutlich, dass eine Schule mehr ist als ein Gebäude oder Jahreszahlen: „Eine Schule besteht aus Menschen.“

„Eine Schule besteht aus Menschen“

Und genau deshalb gehe es bei einem Jubiläum nicht nur um Vergangenes, sondern auch um den Blick nach vorn: Vielleicht sitzt heute bereits ein Kind in den Klassenräumen, das eines Tages etwas Großes bewegen wird? 101 Jahre seien eine starke Grundlage, doch die spannendste Zeit sei „das Jetzt“.

Auch die weiteren Grußworte machten deutlich, wie eng Tradition und Fortschritt an der Johann-Textor-Schule miteinander verbunden sind. Laut Nikola-Maria Schouler, schulfachliche Aufsicht, bedeute Lernen weit mehr als das Vermitteln von Wissen: Es gehe darum, Fragen zu stellen, Lösungen zu finden, Begabungen zu fördern und junge Menschen auf ihrem individuellen Weg zu begleiten. Auch Dr. Claudia Lack, Referentin des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen, erläuterte die Schlüsselstellung einer Schule, Kinder auf ihrem individuellen Lernweg zu begleiten, sodass sie selbstbestimmt ihre Potenziale entfalten können.

Begabungen entdecken und entfalten

All das wird unter anderem in den zahlreichen AGs und Angeboten zur Berufsorientierung, wie die Berufsbildungsmesse oder „SchulePlus“, möglich. Björn Lückhof, Vorsitzender des Schulelternbeirats, lobte das große Engagement der Lehrkräfte, die sich Tag für Tag weit über das normale Maß hinaus für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzen und diese ergänzenden Lern- und Fördermöglichkeiten ermöglichen.

In den Dankesworten an alle Partner der Johann-Textor-Schule wurde deutlich, wie eng Schule, Stadt, regionale Partner sowie Eltern- und Lehrerschaft am Schulstandort Haiger zusammenwirken. Im Anschluss an den offiziellen Teil nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen und die Ausstellung zur Schulgeschichte zu besuchen.

Wesentliche Zahlen zur Geschichte:

1553                     Lateinschule für Knaben wird von Graf Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg in Haiger gegründet

Um 1590             Gründung einer Mädchenschule

1723                     Nach dem großen Stadtbrand wird das noch heute existierende Gebäude der ehemaligen Knabenschule gebaut.

1827                     Einweihung der neuen Volksschule für Jungen und Mädchen auf dem heutigen Karl-Löber-Platz  (sie wird 1974 abgerissen)

1912                     Ein Grundstück am Hofacker wird als neuer Schulstandort ausgewählt

1922                     Grundsteinlegung für die neue Schule am Hofacker

8.1.1925               Einweihung der neuen Schule

3.3.1945               Bei einem Bombenangriff wird die Schule stark beschädigt; es wird niemand verletzt

1954                     Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau bestehend aus 3 Pavillons und einem Hauptgebäude am Hofacker

1958                     Einweihung des Neubaus; die Schule erhält den Namen „Johann-Textor-Schule“

1968                     Die JTS wird Mittelpunktschule; die Turnhalle bei der Schule wird fertiggestellt

1969                     Einweihung ABC-Gebäude und Förderstufe; in den 1970er Jahren besuchen mehr als 1800 Schüler die Schule

1974                     Einweihung Budenbergschule, deren Anfänge in der JTS liegen

1975                     Einweihung der Grundschule in der Ziegeleistraße; Vorher wurde der Schulbau am Hofacker von 1925 als Grundschule genutzt

1984                     Große Umbauarbeiten an der JTS; es entstehen der naturwissenschaftliche Trakt, die Mediothek und die Aula

2006                     Einweihung der Mensa

29.5.2026            Einweihung der neugestalteten Mediothek, des Foyers, des Lernateliers und der Zukunftswerkstatt