Der Bürgermeister fasste die Sitzung treffend zusammen. „Wenn diese Ideen des Kreises für die Schule, das DGH und die Turnhalle in Dillbrecht so umgesetzt werden, dann hat Dillbrecht mehr gewonnen als das Dorf jemals hatte“, sagte Mario Schramm nach der Bürgerinformationsveranstaltung im Dillbrechter Dorfgemeinschaftshaus. Der Lahn-Dill-Kreis hatte die Erweiterungspläne der Grundschule vorgestellt, die eine umfangreiche Nutzung des jetzigen DGH vorsieht. Da gleichzeitig die benachbarte Turnhalle als Veranstaltungsort für Termine mit bis zu 199 Besuchern (zum Beispiel größere Feier oder Beerdigungskaffee) angeboten wurde, entstand ein Gesamtpaket, mit dem der größte Teil der Bevölkerung wird leben können. Das bewies auch der abschließende Applaus der rund 90 Veranstaltungsbesucher. Wenn das Haigerer Stadtparlament der Umgestaltung zustimmt, kann der Umbau bald beginnen.
„Es geht um Ihre Kinder und Ihr Dorfgemeinschaftshaus“, sagte Bürgermeister Schramm zum Auftakt des Treffens und begrüßte neben den Bürgern auch Magistratsmitglieder, Stadtverordnete, zahlreiche Vereinsvertreter sowie die Sozialdezernentin des Kreises Dr. Rebecca Neuburger-Hees (CDU), die Leiterin des Bau- und Immobilienmanagements des Lahn-Dill-Kreises, Kerstin Weber und Schulleiter Andreas Kretz.
Kerstin Weber stellte die Pläne vor, die der Kreis gemeinsam mit dem Haigerer Planungsbüro „Lotter Architekten“ erarbeitet hatte. Eine Erweiterung der Mittelpunktgrundschule sei zwingend erforderlich, da die Schule wachse. Derzeit gebe es 93 Schüler in sechs Klassen, nach den Sommerferien wachse die Einrichtung auf über 100 Kinder. Es müssten sieben Klassen gebildet werden. Außerdem steige die Nachfrage nach Betreuungsplätzen.
„Die Schule war für sieben Klassen nicht ausgelegt, deshalb müssen Fachräume wie der Musikraum und der Mehrzweckraum aufgegeben werden“, berichtete Kerstin Weber. Aus diesem Grund sei die Idee entstanden, das städtische Dorfgemeinschaftshaus mit zu nutzen. Da die Schule am „Pakt für den Ganztag“ beteiligt sei, müsse eine Betreuung bis 15 Uhr am Nachmittag oder sogar länger angeboten werden. Ein warmes Mittagessen müsse ausgegeben werden, nachmittags gebe es Angebote von Arbeitsgemeinschaften. „Nachmittags findet eine Mischung aus Unterricht und Schule statt – dafür braucht man Platz“, machte Kerstin Weber deutlich. Eine Bibliothek müsse ebenso wie ein Speisesaal vorhanden sein, auch ein Rückzugsraum sowie Optionen für Spielen und Bewegung seien erforderlich.
Unabhängig von der DGH-Nutzung ist die Sanierung der Sporthalle für über zwei Millionen Euro. Die Ausschreibung startet in Kürze, mit einem Baubeginn ist nach den Sommerferien zu rechnen.
Für das Ganztagesprogramm ist eine Komplettsanierung des Schulhofs und des Spielplatzes vorgesehen, was sich der Kreis rund eine Million Euro kosten lässt. „Wir wollen in den Standort investieren, weil die Schülerzahlen auf relativ hohem Niveau bleiben werden“, erklärte Kerstin Weber. Das DGH biete sich an, weil es im Schnitt nur elfmal jährlich genutzt werde.
In einem ersten Schritt könnten die Toiletten saniert und neu angeordnete werden. Auch der Einbau einer Behinderten- und einer Personaltoilette sei geplant. Ein Essensraum und ein multifunktionaler Raum mit eigenem Eingang könnten im aktuellen DGH entstehen. Die Küche werde komplett umgebaut, geplant seien eine Ausgabeküche, eine Spül- und eine Gemeinschaftsküche, die bei Fremdvergabe des reduzierten DGH (geeignet für maximal 40 Personen) mit genutzt werden kann. Die Hälfte des aktuellen Gemeinschaftsraumes wird zum Mehrzweckraum umgestaltet und kann dann nicht mehr für externe Veranstaltungen genutzt werden.
In einem zweiten Abschnitt wird die Fahrzeughalle des ehemaligen Feuerwehrhauses umgestaltet. Nach dem Einbau von Fenstern entsteht eine Bibliothek mit zwei Ebenen und einem Ruhebereich. „Das wird ein ganz tolles Angebot für unseren Ganztagesbereich“, zeigte sich Kerstin Weber überzeugt. Teilweise bleiben nach Angaben der Pädagogen bis zu 40 Kinder bis in den Nachmittag hinein an der Schule.
Der Dillbrechter Heimatverein kann weiterhin Lagerräume und einen Vereinsraum am DGH nutzen.
„Unser Konzept sieht vor, dass die Räume abends auch von Externen genutzt werden können, die Küche und der Essensraum können abends für Vereinstermine vermietet werden“, berichtete Kerstin Weber. Das gebe es an vielen anderen Schulen auch und sei aktuell kostenfrei. Beerdigungskaffees oder Konfirmationen wären in diesen Räumen nicht darstellbar, dafür stehe aber durchaus die benachbarte Turnhalle zur Verfügung.
Auch die Außenanlage wird umfangreich umgestaltet. Geplant sind ein ruhiger Bereich („grünes Klassenzimmer“), eine Terrasse, Sitzgelegenheiten, ein Haubergsspielplatz mit rustikalen Spielgeräte, Klettermöglichkeit und Rutsche. Auch der von den Kindern gewünschte Bolzplatz könnte im Bereich des jetzigen Container-Standortes entstehen. Das Kleinspielfeld würde einen hohen Ballfangzaun erhalten. Die kurze Laufbahn und Sprunggrube für Außensport bleiben bestehen. „Der größte Teil der neuen Bereiche wird für die Öffentlichkeit zugänglich sein“, teilte Kerstin Weber mit.
Sozialdezernentin Dr. Rebecca Neuburger-Hees sprach von einer „großen Chance, den Standort aufzuwerten“. Die Instandhaltung der Gemeinschaftshäuser sei sehr teuer. In diesem Falle habe die Stadt den Vorteil, dass sie nicht bezahlen müsse, sondern der Kreis für die Modernisierung zahle. Es gehe darum, unterschiedliche Interessenlagen auszugleichen und neue Wege zu gehen. Neuburger-Hees: „Wir wollen, dass diese Räume leben – auch wenn wir nicht jeden Wunsch erfüllen können.“ Die Kooperation zwischen Kreis und Stadt sei „auf Dauer angelegt“.
Die Bürger nutzten die Gelegenheit, Fragen zum Projekt zu stellen. Dabei wurde deutlich, dass kleinere Termine im jetzigen DGH, größere Veranstaltungen in der Turnhalle möglich sind. Auch Termine im Außenbereich wären für die Dillbrechter Vereine möglich. Am neuen Spielplatz sollen auch Spielgeräte für die kleineren Kinder entstehen, wie Bürgermeister Schramm versprach. „Da finden wir Lösungen“, sagte der Bürgermeister.
Er fasste abschließend die Ergebnisse zusammen und sprach von einem „schönen und stimmigen Konzept für alle Beteiligten“. Alle Dorfgemeinschaftshäuser seien aufgrund der Instandhaltungskosten und der geringen Nutzung problematisch. Die Dillbrechter Pläne seien „ein riesiger Gewinn für den Schulstandort mit vielen Nutzungsmöglichkeiten“. Man könne nunmehr Veranstaltungen mit bis zu 199 Leuten unterbringen. „Meine persönliche Meinung: Sie gewinnen in allen Bereichen!“, sagte Schramm.
Skizzen und Fotos zur Planung DGH/Schule Dillbrecht:
