In einem Orchester spielen sie oft die „zweite Geige“, weil sich Vieles auf die Violinen konzentriert. In der Langenaubacher Kulturkapelle jedoch standen ganz klar die Celli im Rampenlicht. Katrin Banhierl und Weimo Gao vom Solina-Ensemble boten ein mitreißendes Crossover-Konzert, bei dem die Zuhörer auf klassische Musik verzichten mussten. Dafür durften sie Songs von U2, Klaus Lage, Udo Lindenberg oder Helene Fischer in einer Form genießen, die sie so vermutlich noch nicht erlebt hatten.
Die beiden Cellistinnen sind klassisch ausgebildet. Weimo Gao ist seit 2022 festes Mitglied der Nürnberger Staatsphilharmonie. Katrin Banhierl ist seit 2009 Mitglied des Münchner Kammerorchesters „Die Zarge“. Beide haben aber offenkundig noch eine zweite Seite – nämlich riesigen Spaß daran, mit ihren Instrumenten moderne Musik zu spielen. Was in der Kulturkapelle Langenaubach unschwer zu erkennen war.
Der gewinnende Klang des Instruments kommt der menschlichen Stimme am nächsten
Es war erstaunlich festzustellen, wie sich mit zwei Saiteninstrumenten auch aktuelle Songs hervorragend interpretieren lassen. Das Cello kommt bei den Menschen so gut an, weil der warme, gewinnende Klang des Instruments der menschlichen Stimme am nächsten kommt und daher geeignet ist, auch Pop- und Rocksongs zu interpretieren.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer mussten nicht lange überlegen, um Songs wie „Summer of 69“ (Bryan Adams“), „1000 mal berührt“ (Klaus Lage), „Sound of Silence“ (Simon & Garfunkel), „Ich war noch niemals in New York“ (Udo Jürgens) oder „Halt mich“ von Herbert Grönemeyer zu erkennen. Bei dem ein oder anderen Lied stimmten die Gäste sogar in den Refrain mit ein.
Neben Popsongs stand auch der „Libertango“ des berühmten argentinischen Komponisten Astor Piazzolla auf dem Programm.
Katrin Banhierl und Weimo Gao überzeugten durch große Spielfreude und musikalische Präzision, warfen sich musikalisch die Bälle zu und wechselten sich bei Soli ab. Mal trugen sie die Songs unisono, mal zweistimmig vor – gerade so, wie es das jeweilige Lied brauchte. Dabei waren gefühlvolle, aber auch richtig rockige Parts zu hören. Wenn ein wenig Rhythmus-Unterstützung erforderlich war, kam „Günther“ zum Einsatz – ein Lautsprecher, über den so genannte „Backing Tracks“ zur Unterstützung eingespielt wurden.
„Wir haben den schönsten Beruf der Welt“, meinte Katrin Banhierl nach dem Vortrag ihres Lieblingsliedes „With or without you“ von „U2“. Dass sie und ihre Kollegin mit Begeisterung und Herzblut bei der Sache waren, war keine Frage. Das empfand auch das Publikum so, das jedes Lied mit ausführlichem Applaus gewürdigt hatte und sich nach knapp zwei Stunden auch eine Zugabe erklatschte.
