„Freunde stehen zusammen“: Ukraine und Deutschland stärken ihre Partnerschaft


„Diese Konferenz hat einmal mehr gezeigt, dass der Krieg in der Ukraine eine Bedrohung für unsere Demokratie und Europa ist“, sagte Haigers Bürgermeister Christian Helfert nach der achten deutsch-ukrainischen kommunalen Partnerschaftskonferenz in Berlin. Gemeinsam mit der Kulturamts-Leiterin Theresa Fetz-Helfert nahm der Haigerer Rathaus-Chef erstmals an einer solchen Zusammenkunft teil und zeigte sich tief beeindruckt: „Man kennt das Thema Ukraine-Krieg aus den Nachrichten – aber die Gespräche mit Betroffenen haben mir noch einmal mehr verdeutlicht, wie groß die Not bei unseren Freunden in der Ukraine – und besonders in unserer Partnerstadt Hluchiwzi - ist und dass unsere Hilfe nach wie vor benötigt wird.“ Bei der Partnerschaftskonferenz bekräftigten deutsche Kommunen ihre Solidarität mit der Ukraine und erklärten, sie wollten weiter auf langfristige kommunale Zusammenarbeit, Resilienz und gegenseitigen Erfahrungsaustausch setzen.

Unter dem Leitgedanken „Freunde stehen zusammen“ waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen und Zivilgesellschaft in Berlin zum Austausch über die aktuelle Situation in der Ukraine und die deutsch-ukrainische Partnerschaft zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen die Unterstützung der ukrainischen Kommunen, der Schutz kritischer Infrastruktur, die Energieversorgung sowie die Frage, wie Deutschland und die Ukraine ihre Erfahrungen künftig noch stärker miteinander teilen können.

Außenminister Dr. Johann Wadephul unterstrich die klare Haltung Deutschlands gegenüber dem russischen Angriffskrieg: Deutschland könne die Angriffe Russlands nicht tolerieren. Russland versuche, die Ukraine und darüber hinaus Europa zu destabilisieren. Dem müsse mit Entschlossenheit begegnet werden. Mit dem Apell „Wir kämpfen gemeinsam für Freiheit, weil Freunde das so machen“, schloss Wadephul seine Rede: „Deutschland steht für Freiheit, ein geeintes Europa und wird die Ukraine auf ihrem Weg unterstützen.“

„Willkommen in Berlin, der Stadt der Freiheit und des Friedens“

Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey erinnerte an die ersten Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Zeitweise seien damals rund 10.000 Geflüchtete täglich am Berliner Hauptbahnhof angekommen. „Viele Menschen hofften, bereits zu Ostern wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können.“ Am Roten Rathaus wurden die ukrainischen Fahnen gehisst. Niemand habe damals damit gerechnet, „dass die Flaggen Jahre später noch immer dort hängen“. Giffey betonte die gemeinsamen Werte, die Deutschland und die Ukraine verbinden: Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Die Angriffe auf Wohnviertel, Einrichtungen der Wissenschaft und Energieanlagen zeigten, dass Russland gezielt versuche, die Lebensgrundlagen der Menschen und die Funktionsfähigkeit der Städte zu treffen.

Der Widerstandsgeist der Ukrainerinnen und Ukrainer sei beeindruckend. Die Ukraine stehe für den Kampf um Freiheit und für ein friedliches, demokratisches Europa. Gerade mit Blick auf den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich seien. Deutschland kenne den Wert der Freiheit aus eigener Geschichte und trage deshalb eine besondere Verantwortung, Solidarität zu zeigen.

„Es geht nicht nur um Unterstützung, sondern auch um Begegnungen“, wurde als Leitgedanke der kommunalen Partnerschaften hervorgehoben.

Aus Partnerschaften werden bilaterale Netzwerke

Die Verbindung zwischen Deutschland und der Ukraine ist in den vergangenen Jahren deutlich enger geworden. Während es vor zwei Jahren rund 80 kommunale Partnerschaften gab, sind es inzwischen etwa 300 Partnerschaften zwischen deutschen und ukrainischen Städten und Gemeinden. Deutsche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister berichteten von ihren Besuchen in ukrainischen Partnerstädten und schilderten, wie sehr die ständige Bedrohung durch Luftangriffe und Zerstörung den Alltag dort prägt. Die Zusammenarbeit soll deshalb weiter verstärkt werden. Es gehe nicht allein darum, kurzfristig zu spenden oder einzelne Hilfslieferungen zu organisieren. Ziel sei vielmehr ein langfristiger Zusammenhalt, der auf gegenseitigem Vertrauen, Erfahrungsaustausch und konkreter Zusammenarbeit beruht.

Dabei verändert sich auch die Rolle der ukrainischen Kommunen. Aus Städten, die zunächst vor allem Unterstützung benötigten, werden zunehmend Partner, die ihre eigenen Erfahrungen und Lösungen einbringen. So entstehen bilaterale Partnerschaften auf unterschiedlichen Ebenen – von Stadtverwaltungen über Stadtwerke bis hin zu Digitalisierung, Infrastruktur und Katastrophenschutz. Die ukrainischen Erfahrungen sind dabei von großem Wert.

Finanzielle Mittel sind begrenzt

Ein Sprecher des Deutschen Städtetags verwies auf die angespannte finanzielle Situation vieler deutscher Kommunen. Nicht immer fehle es am Willen zur Unterstützung – teilweise hätten die Städte aufgrund ihrer eigenen finanziellen Belastungen schlicht keine Möglichkeiten. Umso wichtiger sei es, bestehende Partnerschaften langfristig zu sichern und gemeinsam auf bessere Rahmenbedingungen hinzuarbeiten. Die ukrainischen Partner betonten, die persönlichen Begegnungen seien wertvoll und spendeten Zuversicht. Langfristiger Zusammenhalt, persönlicher Austausch und gelebte Freundschaft bilden das Herzstück der Partnerschaften.

Aktuelles aus Hluchiwzi

„Wir nehmen Zuversicht mit“, sagte Oleksandr Amons, der Bürgermeister der Haigerer Partnerstadt Hluchiwzi. In Zeiten ohne Strom, mit tagelanger Dunkelheit und unter Bombenbeschuss fühlten sich die Menschen oft allein und hilflos. „Die Konferenz hat jedoch gezeigt, wie viele Menschen an der Seite der Ukraine stehen, Unterstützung leisten und Mitgefühl zeigen“, zeigte sich Amos zuversichtlich. „Alle Ukrainer schöpfen Kraft aus dem Glauben an einen baldigen Sieg und an den Frieden“, erklärte der Rathaus-Chef und betonte die große Bedeutung der Partnerschaft mit Haiger. Diese ermögliche erste Erfahrungen mit internationaler Zusammenarbeit. „Für uns bedeutet diese Partnerschaft Freundschaft und Zusammenhalt. Sie zeigt uns, dass es Menschen gibt, die 2000 Kilometer von uns entfernt leben, und uns in schwierigen Zeiten unterstützen“, fasste Amons zusammen.

Die Situation in seiner Heimatgemeinde ist kritisch. Bereits seit diesem Frühjahr bereitet sich Hluchiwzi auf den bevorstehenden Winter vor. Alle Heizungsanlagen wurden betriebsbereit gemacht, veraltete und defekte Geräte ausgetauscht. Auch sämtliche Generatoren wurden überprüft und Brennstoff für die Heizungsanlagen und Generatoren beschafft. An den Brunnen, die die Wasserversorgung sicherstellen, wurden Solaranlagen installiert, damit die Bevölkerung auch bei einem Stromausfall mit Wasser versorgt werden kann. „Der vergangene Winter war hart. Deshalb bereiten wir uns auf einen noch härteren Winter vor – hoffen aber, dass er besser wird“, blickt der Bürgermeister voraus.

Besonders eindrücklich wurde die aktuelle Lage der Menschen in Hluchiwzi, als Bürgermeister Amons über die Situation in seiner Heimat berichtete. Während der gesamten Konferenz blieb dem Bürgermeister nur wenig Zeit, zur Ruhe zu kommen. Ständige Alarme aufgrund drohender Raketen und/oder Drohnenangriffe beunruhigten ihn sehr. Es war erkennbar, dass es dem Rathaus-Chef unter diesen Umständen sehr schwer fiel, in Berlin zu sein und nicht in seiner Heimat. Bereits 78 Menschen aus Hluchiwzi sind in dem von Russland initiierten Angriffskrieg gefallen, 62 gelten als vermisst. Eine Allee erinnert mit aufgestellten Bildern an jeden Einzelnen von ihnen. „Wir werden sie niemals vergessen und auch nicht, wer für dieses Leid verantwortlich ist“, betont Amons. Gleichzeitig richtete er mit dem Motto „Never looking back“ seinen Blick voller Zuversicht auf eine Zukunft, die von Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit geprägt sein soll.

Bedrohung für Europa und die Demokratie

Diese Hoffnung hat auch Haigers Bürgermeister Christian Helfert, der den Besuch in Berlin zu zahlreichen Gesprächen nutzte und unter anderem auch an einem Vortrag von Julija „Taira“ Pajewska teilnahm, einer Veteranin, ehemaligen Kriegsgefangenen und Gründerin des Rettungskorps „Taira’s Angels“.

„Die eindringlichen Worte von Julija Pajewska und Bürgermeister Amons führen uns vor Augen, dass der Krieg in der Ukraine eine Bedrohung für unsere Demokratie und Europa ist. Es geht um Menschenleben, Freiheit und die Werte, auf denen unser demokratisches Europa aufbaut“, bilanzierte Helfert: „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Leid der Menschen in Vergessenheit gerät. Unsere Solidarität mit der Ukraine muss dauerhaft und entschlossen bleiben.“