Großes Interesse an Wärmeplanung


Wie kann die Wärmeversorgung in Haiger und seinen 13 Stadtteilen künftig zuverlässig, bezahlbar und möglichst klimafreundlich gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 70 Bürgerinnen und Bürger bei einer Informationsveranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung in der Mehrzweckhalle Allendorf. Bürgermeister Christian Helfert begrüßte die Gäste und erinnerte daran, dass sich die Stadt Haiger bereits im Jahr 2023 mit der Kommunalen Wärmeplanung beschäftigt habe, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine gesetzliche Verpflichtung dazu bestand. Dabei stellte er klar, dass die Kommunale Wärmeplanung „niemanden dazu verpflichtet, eine bestehende Heizung auszutauschen“. Vielmehr solle die in die Zukunft gerichtete Planung Orientierung geben und aufzeigen, welche Lösungen für die Kernstadt und die einzelnen Stadtteile grundsätzlich infrage kommen.

„Was wir planen, muss auch praktisch umsetzbar und wirtschaftlich tragbar sein“, betonte der Bürgermeister. Ziel sei es, gemeinsam herauszufinden, wie eine sichere, bezahlbare und zukunftsfähige Wärmeversorgung in Haiger aussehen könne.

Durch den Abend führte Lea Siebelist vom Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Haiger und übergab zum Einstieg das Wort an Dr. Thorsten Ebert und Hagen Braas von der Firma Qoncept Energy, die die Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung präsentierten. Grundlage der Untersuchung waren unter anderem eine Bestandsanalyse, eine Potenzialanalyse sowie die Entwicklung eines Zielszenarios für die zukünftige Wärmeversorgung. Dabei wurde das gesamte Stadtgebiet hinsichtlich der Eignung für Wärmenetze und dezentrale Wärmeversorgung betrachtet. Laut den vorgestellten Ergebnissen liegt der Wärmebedarf in Haiger derzeit bei knapp 200 Gigawattstunden pro Jahr. Rund drei Viertel werden gegenwärtig durch fossile Energieträger (Erdgas, Heizöl) gedeckt. Gleichzeitig spielen Haushalte den größten Anteil beim Wärmebedarf, wobei auch Industrie und Gewerbe in Haiger eine bedeutende Rolle einnehmen.

Kläranlage hat großes Potenzial für ein Wärmenetz

Ein besonderes Potenzial für die Kernstadt wurde im Bereich der Kläranlage identifiziert. Dort könnte die Wärme des Kläranlagenablaufs künftig über eine Großwärmepumpe als Wärmequelle für ein mögliches Wärmenetz genutzt werden. Die Untersuchungen von Qoncept Energy zeigen nach Angaben der Fachplaner gute Voraussetzungen für ein größeres Wärmenetz in der Kernstadt. Die Stadtteile wurden einzeln betrachtet. Neben dem Wärmenetzpotenzial in der Kernstadt wurden besonders das Gewerbegebiet Kalteiche sowie Bereiche in Allendorf als Gebiete mit weiterem Prüfbedarf beziehungsweise erhöhter Eignung betrachtet. Für den überwiegenden Teil der übrigen Stadtteile sieht die Planung dagegen eine hohe Eignung für dezentrale Wärmeversorgung, insbesondere durch Wärmepumpen.

Nach der Präsentation stand bewusst der persönliche Austausch im Mittelpunkt. An vier Informationsständen konnten die Besucher ihre individuellen Fragen direkt mit Fachleuten besprechen. Neben den Stadtwerken Haiger, vertreten durch den Technischen Betriebsleiter Frank Ohlenburger, und Qoncept Energy standen Frank Kauferstein und Alexander Ströhmann aus dem regionalen SHK-Bereich sowie die LandesEnergieAgentur Hessen (LEA) für Gespräche zur Verfügung. Themen waren unter anderem die Eignung von Wärmepumpen für Bestandsgebäude, mögliche Sanierungsmaßnahmen, Kosten, Fördermöglichkeiten sowie die Frage, ob ein eigenes Gebäude künftig in einem Wärmenetzgebiet liegen könnte.

Viele Fragen der Bürger zur Energieversorgung

Dabei zeigte sich, dass viele Bürger vor allem wissen wollten, welche Lösung für das eigene Gebäude sinnvoll ist und wie schnell Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Fachleute rieten dazu, keine übereilten Investitionsentscheidungen zu treffen, sondern sich frühzeitig und individuell durch Fachbetriebe und Energieberater beraten zu lassen. Die Veranstaltung war eine gute Möglichkeit, sich bereits mit Beratern zu vernetzen. Auch seitens der Stadtwerke wurden zahlreiche Fragen zum möglichen Verlauf eines Wärmenetzes, zu Randbereichen und zu den ausgewiesenen Prüfgebieten gestellt. Diese Bereiche sollen im weiteren Verfahren genauer untersucht werden.

Nächster Schritt: Machbarkeitsstudie

Mit Abschluss der Kommunalen Wärmeplanung ist der Prozess noch nicht beendet. Als nächsten Schritt soll eine Machbarkeitsstudie für ein mögliches Wärmenetz in Auftrag gegeben werden. Dabei wird detailliert untersucht, ob ein solches Wärmenetz technisch umsetzbar, wirtschaftlich tragfähig und unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen realisierbar ist. Erst auf Grundlage dieser Ergebnisse soll entschieden werden, ob und in welcher Form die Stadtwerke Haiger die konkrete Planung eines Wärmenetzes weiterverfolgen. Die während der Veranstaltung gezeigte Präsentation soll im Nachgang auch online zur Verfügung gestellt werden. Weitere Informationen werden über die städtischen Informationskanäle veröffentlicht.

Für die Umsetzung sind die Voraussetzungen vor Ort entscheidend

Fazit: Die Kommunale Wärmeplanung schafft zunächst Orientierung. Welche Lösung letztlich für ein einzelnes Gebäude die richtige ist, hängt von den jeweiligen Voraussetzungen vor Ort ab. Die Bürgerinnen und Bürger haben nun die Möglichkeit, die weitere Entwicklung zu verfolgen, sich frühzeitig beraten zu lassen und mit den Fachleuten die nächsten Schritte in Richtung einer zukünftigen Wärmeversorgung für Haiger zu gehen.