Karl Löber - Haigerer Ur-Gestein - wäre am 20. September 2026 125 Jahre alt geworden. Wenn das kein Grund zum Innehalten ist. Etwa 150 Gottesdienstbesucher waren der Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Haiger gefolgt und feierten zusammen einen lebendigen Erinnerungs-Gottesdienst. Er stand unter dem Leitgedanken „Was in uns weiterlebt“ und konnte damit natürlich eine Brücke zum Leben von Dr. Karl Löber schlagen, der im heimischen Raum vielen Menschen als (Heimat)Forscher, Lehrer – aber auch als Mensch – in Erinnerung geblieben ist.
Ein besonderes Element des Gottesdienstes war mit Sicherheit, dass Karl Löbers Enkelin Almute Löber die Predigt hielt. Sie lebt als Prädikantin der Evangelischen Kirche in Köln-Mitte und war nun nach Haiger zum Gottesdienst und damit in ihre und die Heimat ihres Großvaters zurückkehrt.
Nach dem Wunsch des Vaters hätte Dr. Löber Metzger werden sollen
Im Gottesdienst war Zeit und Raum, um an das Schaffen und Wirken von Karl Löber zu gedenken. Andreas Rompf vom Kirchenvorstand erinnerte an die vielfältigen Lebensbereiche von Karl Löber. So hätte Karl, nach dem Wunsch seines Vaters, von Beruf Metzger werden sollen.
Seine Neigungen und Begabungen ließen ihn dann aber einen anderen Weg gehen. Musik, Literatur, Schreiben, Lesen, Forschen, das war seine Welt. Als Lehrer war er unter anderem in Hof (Westerwald), Allendorf, Langenaubach, Haiger und Rabenscheid aktiv. „Der kleine Ort“, so schreibt Löber selbst, „ist mir zu einer zweiten Heimat geworden. Ich verlasse ihn mit herzlicher Dankbarkeit“.
Als Heimatforscher und Autor hinterließ er über 600 Schriftstücke
Gerade in seiner Tätigkeit als Lehrer prägte er mehrere Schülergenerationen. Als Heimatforscher und Autor hinterließ er 652 namentlich bekannte Schriftstücke. Zahlreiche Auszeichnungen bekam er für sein Wirken, bis hin zur Ehrendoktorwürde der Philipps Universität in Marburg, mit der aus dem „Häjerschen Jung“ Karl Löber, der Dr. h.c. (Doctor honoris causa) Karl Löber wurde.
Ihm ist auch größtenteils zu verdanken, dass das Haigerer Heimatmuseum am Marktplatz im Jahre 1978 zur 1200 Jahr-Feier eröffnet werden konnte. In den Jahren 1970 bis 1978 verfasste der Ehrendoktor die zehn „Haigerer Hefte“, die mit das wichtigste Geschichtswerk der Stadt Haiger bilden.
„Dass wir an Karl Löber heute, an seinem 125. Geburtstag, hier im Gottesdienst erinnern wollen, liegt auch daran, dass ihm die Kirche, der christliche Glaube und die Gemeinde in seinem Heimatort sehr am Herzen lagen. Beides war Teil seines Lebens. Wir sind froh, dass er uns so vieles nachlesbar hinterlassen hat, so dass wir es auch wieder in die nächste Generation weitergeben können“, erinnerte Andreas Rompf. Auch über die Grenzen Haigers war Löber aktiv: „Er hat sich nicht nur hier in der heimischen Kirchengemeinde engagiert, sondern war auch 18 Jahre lang Synodaler in der Landessynode unserer EKHN,“ ergänzte Rompf.
Sehr ausführlich und auch sehr kurzweilig lesbar hat Hubert-Georg Quarta Löber in der Bildbiografie „Karl Löber - Lehrer und Forscher“ beschrieben, die im Kulturamt erhältlich ist und viel über Löber, aber auch die Menschen und das Leben in unserer Region wiedergibt. Dass der Ehrenbürger der Stadt Haiger nicht vergessen wird, daran erinnert heute der „Karl-Löber-Platz“, der am Ende der Fussgängerzone Richtung Einkaufsmärkte liegt.
Enkelin plaudert aus dem Nähkästchen
Almute Löber, Enkelin von Karl Löber, die als selbstständige Konferenz-Dolmetscherin in Köln lebt, ist ehrenamtliche Prädikantin und ging in ihren Predigtgedanken auf den 2. Timotheusbrief ein. Hier fordert Paulus auf, aus der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit des Geistes Gottes zu leben. Gerade das Thema Besonnenheit bedeute, genau hinzusehen und sich auf das Gute zu besinnen. Und dann weiter in dem Vertrauen zu leben, „dass Gott Gutes entstehen lässt und durch Menschen weitergibt“. In einem Blick auf das Leben ihres Großvaters konnte sie manche Anekdote weitergeben: „Die gemeinsamen Spaziergänge mit ihm dauerten immer länger, denn es waren kleine botanische Vorträge. Wir haben viel gehört und gelernt“, erläuterte sie. So sei es einer seiner Lieblingsaufgaben für die Kinder gewesen, anhand des Kursbuches der Bundesbahn Strecken und Haltepunkte einer vorgegebenen Route auszubreiten und niederzuschreiben. Und als ihr Blick auf die Kirchenorgel fiel, erinnerte sie sich daran, wie sie mit dem Opa gemeinsam an der Orgel gesessen haben, bewundernd seine Füße über die Pedalen wandern sahen: „Dann durften wir als Kinder buchstäblich „alle Register (an der Orgel) ziehen.“
Der Enkelin von „Dr. h. c. Löber“ war es wichtig, noch eines herauszustellen, das sie im Leben ihres Großvaters bemerkt hatte: „Er konnte außerordentlich gut auf Menschen zugehen. Da er sehr sprachbegabt war, konnte er schnell den Dialekt des jeweiligen Dorfes, in dem er tätig war und unterhielt sich dann mit den Menschen auf Augenhöhe, er wurde sofort angenommen. Ihn prägte der Gedanke „Menschen zu sehen und in jedem etwas Wertvolles zu sehen.“ Diese Eigenschaft war mehr als Lehrer und Heimatforscher.
Oranienquartett und Kirchenchor als musikalische Bereicherung des Gottesdienstes
Der Gottesdienst wurde vom Haigerer Kirchenchor (Leitung Gerhard Weller) und dem Dillenburger Oranienquartett (Leitung Matthias Fischer) zusammen gestaltet und sorgte für den feierlichen Rahmen. Das „Quartett“, das mittlerweile aus über einem Dutzend Männern besteht, hat seinen Namen mittlerweile auf die vier Stimmregister (1. und 2. Tenor sowie 1. und 2. Bass) bezogen und erhält aus dem Raum Siegen gesanglich Unterstützung.
Die Orgel an diesem besonderen Vormittag spielte Hans-Werner Schnurr aus „Aubach“, von dessen Elternhaus man fast zur „alten Schule“ und damit zur Wirkungsstätte von Karl Löber spucken konnte. Somit war auch hier ein schöner Bezug gegeben. Zahlreiche Besucher fanden sich im Anschluss zum Austausch bei einem kleinen Imbiss im Gemeindehaus ein, und manch einer konnte seine eigenen Erinnerungen zu Karl Löber auffrischen oder mit anderen Besuchern teilen.
