Von Ostwestfalen nach Südasien


Rund 130 Besucher waren der Einladung des Frauen-Gebets-Bewegung in die Haigerer Stadtkirche gefolgt und folgten einem erstaunlichen und fesselnden Bericht einer Missionarin, die in einem  Krankenhaus in Bangladesch arbeitet. Die Missionarin soll in diesem Bericht „Anne“ heißen, sie ist seit 2004 mit kleinen Unterbrechungen in dem Land in Südasien tätig, möchte in der Öffentlichkeit aber nur mit Vornamen erwähnt werden.

„Anne“, die in Ostwestfalen geboren wurde und ihre Wurzeln in der landkirchlichen Gemeinschaft hat, betonte, die Beschränkung auf den Vornamen sei wichtig, um weiter ohne Einschränkung im christlichen Krankenhaus arbeiten zu können. In dem flächenmäßig kleinen Staat leben rund 150 Millionen sunnitische Muslime, was etwas 91 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Dazu kommen knapp neun Prozent Hindus und kleine Gruppen von Buddhisten und Christen.

„Die christliche Arbeit ist in Bangladesch geduldet, steht aber immer wieder unter Beobachtung“

„Die christliche Arbeit ist dort geduldet, steht aber immer wieder unter Beobachtung“, berichtete die Missionarin. Ihr und den Mitarbeitern im Krankenhaus sei es wichtig, möglichst wenig Angriffspunkte zu bieten: „Wenn dann Missionsberichte oder Bilder aus Deutschland auftauchen, kann es schon sein, dass die Arbeit im Krankenhaus eingeschränkt wird. Das wollen wir gerne vermeiden“, erklärt sie.

Die Aufgaben in dem Krankenhaus, das im Norden des Landes  zu finden ist und 1956 von einem amerikanischen Missionars-Ehepaar ins Leben gerufen wurde, sind bewusst christlich geprägt. Neben der medizinischen Versorgung, legen die Mitarbeiter um „Anne“ sehr viel Wert darauf, die Menschen umfänglich zu begleiten und ihnen so von Gottes Liebe zu erzählen und diese auch persönlich erlebbar zu machen.

„Noch nie hat sich jemand so viel Zeit für mich genommen“

„Die Menschen kommen mit ihren Nöten und Sorgen zu uns, wir haben immer eine offenes Ohr für ihre Beschwerden und Anliegen“, sagt sie. Das schönste Kompliment hörte sie vor einiger Zeit, als eine Patientin ihr im Gespräch erklärte: „Noch nie hat sich jemand so viel Zeit für mich genommen.“

Ein anderer Schwerpunkt ist die Einführung und Förderung von sogenannten „Zuhör-Tanten“ in der Region. Speziell geschulte Frauen, die sich der Verschwiegenheit verpflichten, stehen zur Verfügung, wenn es darum geht, den Menschen einmal zuzuhören: „Viele nutzen das und schütten ihr Herz aus. Das tut ihnen richtig gut“, berichtet die Missionarin. „Die Rate mit depressiven Krankheitssymptomen ist in den Orten deutlich gefallen“, ergänzt sie. 

Pastor Jochen Paul würdigt die Arbeit der Frauen-Gebetsbewegung  

Mit einem Augenzwinkern stieg Jochen Paul aus Rodenbach  (Pastor der FeG Steinbach) in seine Kurzandacht ein und hob die Bedeutung der Frauen-Gebets-Bewegung mit der Aussage hervor: „Die Männer schienen aber auch schon früher etwas schwer von Begriff gewesen zu sein“. Er schlug den Bogen zur Auferstehungsgeschichte, als es zuerst Frauen waren, die aktiv wurden und sich aufmachten, das Grab Jesu zu besuchen. Am Beispiel der Emmaus-Jünger zeigte er weiter auf, „dass Jesus auch heute noch an der Seite der Menschen ist“.

Musikalisch gestaltet wurde der Nachmittag durch den Posaunenchor aus Langenaubach (Leitung Helmut Bachmann), der erstmals beim Missionsfest dabei war und den Gesang schwungvoll unterstützte. Die Organisatorinnen waren begeistert und würden sich freuen, wenn der Bläserkreis aus dem Haigerer Stadtteil sich weitere Beteiligungen an den Veranstaltungen vorstellen könnte. In gewohnter Weise begleitete auch Leni Lang das Fest an der Kirchenorgel.

Dass Gebet nicht nur für ferne Länder wichtig ist, unterstrich Mit-Organisatorin Angelika Kommerau aus Haiger in ihrem Gebet für Stadt und Land. Sie bat um Gottes Segen für die Herausforderung der Regierungen in der großen Politik, aber auch für die städtischen Gremien und den Bürgermeister der Stadt Haiger. Ein Nachmittag - der sehr abwechslungsreich von den Verantwortlichen gestaltet war - fand bei Kaffee und Kuchenbuffet im vollen Gemeindehaus seinen Abschluss. Hier gab es auch Gelegenheit, mit dem Gast aus Bangladesch persönlich ins Gespräch zu kommen.

Kontakt: Angelika Kommerau (Tel. 02773/2343), Hannelore Kring (hannelorekring@ gmx. de), Brunhilde Heimann (Tel. 02778/2303).