Der Ernstfall ist da, es bleibt nur wenig Zeit, um das persönliche Gepäck zu holen - und dann muss das Haus verlassen werden. In einem solchen Szenario zählt jede Minute – es gilt, Zeit zu sparen statt ewig lang das Gepäck zu suchen. Nachdem sich die erste Veranstaltung „private Krisenvorbereitung“ im Mai mit den Grundlagen beschäftigt hatte, ging es diesmal noch stärker um die Szenarien „Aufbruch“ sowie „Verpflegung unterwegs“. Referent Thomas Triesch gab konkrete Tipps und zeigte, worauf es beim persönlichen Notfallgepäck, Vorräten und Informationen ankommt. Rund 25 Interessierte folgten der Einladung von HaiDigital.
Triesch brachte zur Präsentation seinen eigenen Notfallrucksack mit und stellte den Zuhörern einzelne Gegenstände vor. Die Zuhörerschaft begutachtete die Produkte interessiert. Erneut entwickelte sich ein reger Austausch mit dem Referenten.
Der Fokus der Fortsetzungsveranstaltung lag eindeutig auf dem „Verlassen des Hauses“ und „Unterwegs sein“ in Krisensituationen. Dabei ging es natürlich auch noch einmal um Lebensmittel und deren Haltbarkeit und Lagerung, aber besonders in Hinblick auf eine leichte Mitnahme der Speisen. Für eine längere Haltbarkeit können Lebensmittel eingekocht oder vakuumiert werden. „Vakuumieren ist das A und O, um etwas haltbar zu machen“, erklärte Triesch und zeigte ein paar Pistazien, die er entsprechend eingeschweißt hat. Bevor sie ablaufen, nimmt er diese einfach als Snack mit auf die Arbeit und erneuert anschließend den Vorrat.
Die Ausrüstung muss nicht immer teuer sein
Krisenvorbereitung muss nicht zwingend mit großen Ausgaben verbunden sein. Zwar können für umfangreiche Vorratseinkäufe hohe Summen ausgeben werden – letztlich müsse aber jeder für sich entscheiden, welchen Umfang der eigene Vorrat haben solle. Je nach Kategorie beziehungsweise Produkt lohne sich der genauere Blick auf die Herstellerangaben und Produkttests, statt einen Schnellkauf aufgrund eines Rabattangebots zu tätigen. Die persönlichen Präferenzen, beispielsweise wie ein Rucksack aufgeteilt sein sollte, spielen ebenso eine wichtige Rolle. „Erst die Ware, dann der Rucksack“, lautete ein praktischer Hinweis des Referenten. Doch was genau gehört jetzt in die Tasche, wenn es tatsächlich notwendig wird, das Zuhause schnell zu verlassen? Feste Schuhe, warme Kleidung, gegebenenfalls eine Schlafunterlage (Luftmatratze), Medikamente, Nahrung, Werkzeuge, Energiequellen und Hygieneartikel nannte der Kriminalpolizist. Ganz wichtig: Müllbeutel. „Damit kann ich alles machen“, betonte Triesch: Als Überzieher für die Füße in öffentlichen Duschen oder als Transportbeutel. Auch wichtige Unterlagen sollten stets vorbereitet sein – in Papierform als auch digital. Geburtsurkunden, Nachweise über Grundstücksbesitz und weitere Dokumente können beispielsweise laminiert und zusätzlich auf einem USB-Stick gesichert werden. Bargeld, ein Stift und ein Notizblock gehören in die Grundausstattung. Darauf könnten wichtige Telefonnummern notiert sein – denn viele kennen mit Sicherheit nicht die Handynummer der Kinder auswendig. Für eine angenehmere Übernachtung auf einem Feldbett empfahl der Experte eine Luftmatratze und vor allem Ohrenstöpsel, die in einer Sammelunterkunft für ruhigere Nächte sorgen.
Vorsicht vor Falschinformationen
Ein weiterer Themenblock beschäftigte sich mit der Informationsbeschaffung. Gerade zu Beginn einer Krisensituation sei es wichtig, an verlässliche Informationen zu kommen – auch wenn Mobilfunk oder Internet möglicherweise nicht zur Verfügung stehen. Ein Kurbelradio wäre hier eine Möglichkeit. Dass dafür allerdings etwas Ausdauer notwendig ist, sorgte für einen humorvollen Moment im Publikum: „Da kurbelt man lang für 15 Minuten“, kommentierte Triesch mit einem Augenzwinkern. Auch alternative Kommunikationsmöglichkeiten wie Funkgeräte oder Satellitentelefone wurden angesprochen. Zur Navigation lässt sich Kartenmaterial schon jetzt mit wenigen Handgriffen offline verfügbar machen, um mit dieser Hilfe im Ernstfall die Rettungs- oder Notfalltreffpunkte aufsuchen.
Gleichzeitig warnte der Referent vor der schnellen Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Netzwerken. Gerade in einer Krisensituation sei es entscheidend, Informationen zu hinterfragen und auf verlässliche Quellen zu setzen. Offizielle Warn-Apps seien ein sinnvoller Informationslieferant.
